DDr. Hanjo Hamann

Zettelkasten

Wie man Steuern eintreibt

(Kategorie Beijing 2007 | 13.9.2007, 14:06)

Habe heute, beim Mittagessen mit einem Wahl-Beijinger, etwas über das chinesische Steuerrecht gelernt, das gleich wiedergegeben gehört - es sagt einfach so viel über den chinesischen Pragmatismus und die Art der Chinesen, komplizierte Probleme kreativ zu lösen, aus.

Unternehmen müssen in China Umsatzsteuer zahlen, darin unterscheidet sich China nicht von Deutschland. In China werden nicht gern Steuern gezahlt - auch das im Vergleich zu Deutschland noch nix besonderes. Aus diesem Spannungsfeld heraus finden in Deutschland tagtäglich das Finanzamt, die Steuerfahndung, der Staatsanwalt und viele andere Staatsbedienstete ihre Arbeit. Das ist hier anders.

Hier benutzt man die Bürger als Steuerfahnder. Und zwar mittels eines Verfahrens, das so clever ist wie es eben nur Ideen aus China sein können: Unternehmen müssen bei der Steuerbehörde vorgedruckte Quittungen (fapiao) über bestimmte fixe Beträge erwerben, die dem Kunden im Austausch für den Umsatz, den er dem Unternehmen beschert, ausgehändigt werden. Der Kunde nutzt den Beleg dann für seine eigene Steuererklärung, und das Unternehmen muss neue fapiaos kaufen, wodurch die Steuerbehörde von den Umsätzen erfährt. Soweit vielleicht etwas umständlich, aber nichts besonders Aufregendes.

Nur, wie hält man den Kunden (sprich, den durchschnittlichen Chinesen, der selbst wahrscheinlich nicht so streng auf Steuersachen achtet) dazu an, diese fapiaos auch einzufordern? Hier die chinesische Idee: Man macht eine Lotterie! Auf jeder fapiao gibt es ein Rubbelfeld, das der Kunde freirubbeln kann. Im Gewinnfall kann er sich dann einen gewissen Betrag bei der regionalen Steuerbehörde abholen... ob der Gewinn die Anfahrt lohnt, ist eine andere Frage ;)

Ein Bild dieser ungewöhnlichen Lotteriesteuerquittungsbescheinigungen sowie etliche weitere witzige und sehr treffende Schilderungen gibt's im Blog von Sandra Quinn. Ich persönlich habe heute zum ersten Mal fapiaos gesehen - was also heißt, dass alle Restaurants, in denen ich bisher gegessen habe, die auf mich entfallende Umsatzsteuer unterschlagen haben... mal sehen, welche Reaktionen ein laowai auf die Frage nach fapiaos erntet ;)

Übrigens: Unter der Adresse www.fapiao.com kommt man zur nationalen chinesischen Steuerbehörde. Wer des Chinesischen mächtig ist, findet da vielleicht noch andere kuriose Informationen...