DDr. Hanjo Hamann

Zettelkasten

Kleine Fibel des ÖPNV

(Kategorie Beijing 2007 | 4.10.2007, 19:23)

Taxi

Die einheitlich braun/gelb lackierten Beijinger Taxis gibt es in drei Fabrikaten: VW Jetta, Hyundai Elantra und Citroen Elysée (von wenigen Relikten anderer Fabrikate abgesehen). Einige sind im Privateigentum des Fahrers, andere gehören Fuhrparks, deren Name jeweils im Logo auf der Tür neben dem von einem Kreis umfassten Schriftzug "Beijing Taxi" vermerkt ist. Allen ist gemein, dass man Anschnallgurte vergeblich sucht... oder zumindest das andere Ende (kennt jemand einen Namen dafür? ;) Die Fahrerkabine ist manchmal offen, manchmal mit einer Plastikwand abgetrennt und manchmal sogar stahlumgittert. Das Taxi ist im Vergleich zu deutschen zwar enorm billig, aber dennoch das teuerste Verkehrsmittel Beijings. Der Grundpreis mit Inklusivstrecke beträgt 1 Euro, danach fallen für jeden weiteren Kilometer 20 Cent an. Die chinesische Regierung betreibt derzeit übrigens ein Programm, Taxifahrer durch drohenden Lizenzentzug zum Englischlernen bis Olympia anzuhalten.

Bus

Beijings Busse tragen dreistellige Nummern... und das nicht ohne Grund. Unzählige Busse fahren auf unzähligen Strecken unzählige Haltestellen an, und doch gelingt es den Beijingern, zumindest regional einen gewissen Überblick zu behalten. So gestaltet sich die Busfahrt erstaunlich einfach, wenn man etwas Extrazeit einplant und einen gewissen Überblick über die Gesamtanlage der Stadt behält. Der Bus ist zwar langsam (von den Vorstädten bis ins Zentrum braucht man gelegentlich vier Stunden und mehr), dafür aber unschlagbar billig. Umgerechnet 10 Cent kostet die Standardfahrt, mit der kostenlos erhältlichen elektronischen Busguthabenkarte sogar nur 4 Cent (wer keine hat, wirft entweder beim Fahrer vorn einen Schein in den Sammelkasten, oder kauft bei der mitfahrenden Dame-von-den-Verkehrsbetrieben ein Ticket). Rentner, Kinder und Studenten fahren noch günstiger. Kein Wunder also, dass Westeuropäer meist das Taxi bevorzugen, die Busse hingegen ständig mit Chinesen überfüllt sind. Die Rush Hour ist in Beijing übrigens quasi-definiert: 7-9 und 16-19 Uhr sind für die Busse auf vielen Hauptverkehrsstraßen eigene Spuren in gelb markiert.

U-Bahn

Im Vorfeld von Olympia sprießen überall in der Stadt neue U-Bahn-Haltestellen aus dem Boden. Drei U-Bahn-Linien gibt es schon, vier neue werden derzeit gebaut (eine wurde im letzten Monat testweise eröffnet). Die drei bestehenden heißen 1, 2 und 13, fahren gerade-von-Ost-nach-West, einmal-im-Kreis und durch-die-nördlichen-Vorstädte. Während Linien 1 und 2 das Klischee einer U-Bahn erfüllen (überfüllt, miefig und wenn der Zug einfährt, kommt frischer Wind in die Bude), deren blecherner Lautsprecher nach ewig langer Ansage in Landessprache zumindest die nächste Haltestelle noch in Englisch ansagt, ist Linie 13 eher mit deutschen innerstädtischen S-Bahnen vergleichbar - fährt sie doch meist oberirdisch, und in hellen, maßvoll besetzten Wagen ertönt aus bester Lautsprechertechnik eine Ansage, bei der an der Endhaltestelle sogar das "Vielen Dank, dass Sie mit der Beijinger U-Bahn gefahren sind. Bitte nutzen Sie diese Linie bei ihrer nächsten Reise wieder. Auf Wiedersehen!" noch ins Englische übersetzt wird... Die Fahrt ist mit 30 Cent (1/2) bzw. 50 Cent (1/2 und 13) in der mittleren Preisregion, die Geschwindigkeit aber zumindest in der Rush Hour unschlagbar... nicht gerechnet die halbe Stunde, die das Umsteigen zwischen der Haltestelle der Linien 1/2 und derjenigen der Linie 13 in der Rush Hour dauert (eine direkte unterirdische Verbindung gibt es nicht).

Fahrrad

Nicht direkt ÖPNV, aber trotzdem interessant sind die Beijinger Mietfahrräder. Im Universitätsviertel Haidian gibt es an manchen Stellen bis zu drei Fahrradverleihstände nebeneinander, die mit einer Stundenmiete von 5 Cent um die Gunst der Kunden buhlen. In den touristischen Gebieten werden Fahrräder meist tagesweise vermietet, für 1 bis 3 Euro. Eine Kaution von 20 bis 40 Euro wird aber überall fällig...
Mietwagen dürfen Ausländer in China übrigens nur mit besonderem Führerschein mieten.

Rikscha

Selbst noch nicht in die Verlegenheit gekommen, eine Rikscha benutzen zu können/müssen, hört man über diese Gefährte die abenteuerlichsten Geschichten. Rikschas gibt es in einer touristischen Version mit rotem Samt ausgeschlagen und manuell betrieben (gelegentlich auch selbstgebastelt aus einem Transportdreirad mit aufgenageltem Sessel oder - an wenigen Stellen - auch noch handgezogen) und in einer alltagstauglichen Version als motorisiertes Dreirad mit Kastenaufbau hinter dem Fahrer, in dem der Fahrgast entgegen der Fahrtrichtung Platz nimmt. Da Touristen gern als erstes eine Rikscha probieren, hat es sich unter Rikschafahrern offenkundig herumgesprochen, dass diese landeskundlich und sprachlich unbewanderten Langnasen leichte Beute sind. Man hört von Touristen, denen Fahrpreise von bis zu einhundert Euro berechnet wurden und von "Missverständnissen", nach denen der vorher vereinbarte Fahrpreis plötzlich nur für eine der mitfahrenden Personen gilt, oder in einer gänzlich anderen Währung.