DDr. Hanjo Hamann

Zettelkasten

Durch die Milchstraße auf den Heimweg?!

(Kategorie Hamburg 2008/09 | 22.4.2009, 21:21)

(ergänzt 16.8.2009, 12:55)

Hamburgs Straßen sind zahlreich und so systematisch angelegt wie frisch gekochtes Sauerkraut. Doch auch die Namen der Hamburger Straßen sind herzallerliebst - sogar wenn man absieht von den zahlreichen Hamburgensien und Platt(deutsch)itüden (-barg, -bek, -brook, -kamp, -redder, -stücken, -twiete, pp.), die natürlich mit zunehmender Distanz vom Stadtkern umso häufiger auftreten.

In Hamburg findet jeder eine Adresse für sich: Norddeutsche (Wettloop, Utkiek) ebenso wie Gebirgsfreunde (Quellental); Forstwirte (Brauner Hirsch, Rehwechsel) und Landwirte (Ewige Weide, Blumensand) genauso wie Humanmediziner (Ellenbogen, Schulterblatt); Ökonomen (Im Soll, Letzter Heller) wie Mathematiker (Rechteck, Durchschnitt) wie Germanisten (A-B-C-Straße) wie Astronomen (Milchstraße, Fernsicht); sogar Träumer (Schöne Aussicht) und Selbstverliebte (Siebenschön) kommen auf ihre Kosten.

So mancher Hamburger kommt auf dem Heimweg durch den Heimweg, und manch anderer ist noch darauf, wenn er längst zur Arbeit geht. Andere stehen vor den Scheideweg und benutzen dann die Rutschbahn, um zur Arbeit zu kommen. Auch auf der Bundesstraße (B½?) kann man fahren, oder einen Mittelweg finden.

Andere Straßen heißen ganz bescheiden Breiter Gang oder Kurze Straße, und auch der Privatweg ist eine öffentliche Straße. Verwirrend? Nun ja, die Isebekstraße und der Isebekstieg sind ja auch kilometerweit entfernt von der Isebek, die durch halb Hamburg fließt (nur eben nicht dort, wo die Straßen nach ihr benannt sind!) Näher beeinander liegen dafür Hennenstieg, Kükenstieg und Goldhähnchenstieg.

Manche Straßennamen wären sogar - so finde ich - prädestiniert dafür, lyrisch verewigt zu werden... wenn sich darauf nur Reime finden ließen! Ist Schlump, Schwübb, Wieddüp nicht ein wunderbar anrührender Vers? Doch wie weiter?