DDr. Hanjo Hamann

Zettelkasten

Galleriemädchen

(Kategorie Beijing 2007 | 1.9.2007, 17:48)

Im Internet - wo ich mich glücklicherweise vor meiner Reise schlau gemacht habe - wird vor sog. "Gallery Girls" gewarnt. Die greifen Touristen an den Sehenswürdigkeiten ab, erzählen ihnen, sie seien Kunststudenten (was meist stimmt) und hätten einige eigene Bilder in einer Galerie in der Nähe hängen (was nie stimmt). Der gutmütige Tourist geht natürlich mit, und kauft dann in einem Kalligraphie- und Kunstladen Meisterwerke, deren persönlicher Wert für den einzelnen Touristen bestimmt über dem bezahlten Preis liegt - der objektive Wert hingegen ist unscheinbar gering... Da bleibt auch noch eine Provision für's Gallery Girl übrig.
Warum erzähle ich das alles? Weil ich auch drauf reingefallen bin. Habe mich gutmütig nach einem Hotel durchgefragt, in dem ich einen Freund treffen wollte, blickte gerade in das ratlose Gesicht eines Offiziellen, als zwei Mädchen vorbeikamen und mir genau sagen konnten, wo ich hinmusste. Wir gingen ein Stück gemeinsam, kamen ins Gespräch, dann das obligatorische "Wir sind übrigens Kunststudenten und machen selbst shufa (Kalligraphie)". Und rein zufällig stehen wir genau in dem Moment am Eingang einer schmalen Gasse, an deren Ende ein Kalligraphie-Laden leuchtet. Gut, dass ich den Mädels gesagt hatte, dass ich einen Freund treffen wollte. Habe unseren Termin einfach zwei Stunden nach vorn geleg... gelogen und behauptet, ich müsse schnell weiter, würde ihn aber bestimmt fragen und gleich mit ihm zusammen wiederkommen. Im Nachhinein wäre es vielleicht schlauer gewesen, die Mädels offen zu fragen, wieviel Provision sie kriegen, ihnen das Geld bar auf die Kralle zu geben und sie stattdessen zu ein paar Stunden Sprachunterricht zu animieren ;)