DDr. Hanjo Hamann

Zettelkasten

Das Barbarenfrüchtchen

(Kategorie Shanghai 2010 | 22.1.2010, 7:09)

Die Chinesen lieben ihre Tomaten. Nicht umsonst hat die Tomate, die erst während der Ming-Dynastie nach China kam, gleich zwei chinesische Namen. Der wohl politisch korrektere lautet 西红柿 (xihongshi) und bedeutet wörtlich übersetzt "rote Persimone aus dem Westen". Der andere Name ist 番茄 (fanqie); das erste Zeichen bedeutet soviel wie "ausländisch" oder "barbarisch" und findet sich auch im chinesischen Namen von Krokus, Papaya und Guave, das zweite Zeichen kommt sonst nur in der Bezeichnung für die Aubergine vor, lässt sich also allenfalls als "Frucht" übersetzen.

Die verschiedenen Tomate-Ei-Kombinationen gehören zu den elementaren Gerichten der chinesischen Küche - ob als Tomatenrührei (西红柿蛋炒饭), Tomateneierbratreis (西红柿蛋炒饭) oder Eierstichsuppe mit Tomaten (番茄蛋花汤). Aber auch sonst ist die Tomate bei den Chinesen gern gesehen. Im Supermarkt gibt es unzählige Varianten Cracker, Chips und anderes Knabberzeug mit Tomatengeschmack. Sogar die ausländischen Hersteller Lay's und Pringles haben sich darauf eingelassen. Cocktailtomaten schließlich gibt es sogar als Trockenobst im Gläschen...

... sagte ich eben Obst? Verzeihung, Tomaten zählen natürlich zum Gemüse. Aber Früchte sind sie, darauf können wir uns einigen, oder? Gut. Und was folgt für den erfindungsreichen Chinesen daraus? Richtig: Sie gehören in den Fruchtsaft. Und so haben sich gleich zwei chinesische Unternehmen daran gemacht, Tomaten/Obst-Saft in verschiedenen Abfüllungen und Konzentrationen zu brauen.

Links zwei Säfte der Marke 全有 ("Allesdrin"): Karotte-Apfel-Orange, die für Westeuropäer wohl noch plausiblere Mischung, und Tomate-Apfel-Orange. Rechts daneben die bunteren Mischungen der Marke 农夫果园 ("Bauers Obstgarten"): Traube-Kirsche-Erdbeere-Tomate und Multivitomatemin.

Und weil die Chinesen inzwischen viel zu viele Tomaten haben, lassen sie sich immer wieder neue Späße einfallen, um das Gemüse angemessen zu feiern...