DDr. Hanjo Hamann

Zettelkasten

Was in China kreucht und fleucht...

(Kategorie Shanghai 2010 | 10.2.2010, 8:31)

Neulich war ich mit einer chinesischen Kollegin im Zoo. Bevor ich allerdings davon berichte, ziehe ich einen kleinen Fauna-Sprachkursus vor, denn

  1. haben die Schriftzeichen des chinesischen Tiervokabulars noch die meiste Ähnlichkeit mit ihrem Gegenstand; ich zumindest vermag nicht nur im Schriftzeichen für "Elefant" bis heute den Elefanten zu erkennen.
  2. ist das chinesische Tiervokabular in seiner Struktur und der Fähigkeit, neue Begriffe für neu entdeckte Tiere zu prägen, ungemein einfallsreich und unterhaltsam.

Beginnen wir in Afrika: Die Giraffe heißt changjinglu, wörtlich Langhalshirsch, das Zebra banma, Streifenpferd, die Hyäne tulang, Erdwolf, und der Gepard firmiert als liebao, Jagdpanther. Die (nach traditioneller Zählung) drei Menschenaffen heißen daxingxing (Großaffaff), hongxingxing (Rotaffaff) und heixingxing (Schwarzaffaff). Das Krokodil heißt eyu, was soviel bedeutet wie Krokodilfisch, aber ganz genauso klingt wie "hungriger Fisch" - ähnlich wie der shayu, Haifisch, dessen Name exakt so ausgesprochen wird wie "Mörderfisch".

Der Panda heißt nach einem früheren Missverständnis weiterhin xiongmao, Bärenkatze, aber noch interessanter ist die chinesische Mäusefamilie. Nicht nur weil zumindest die weibliche Hälfte des größten Volks der Erde völlig einhellig die Film- und Fernsehmaus des größten Zeichentrickkonzerns der Erde bewundert. (Micky ist hier wie in Beijing allgegenwärtig; es gibt ganze Micky-Läden, und eine chinesische Kollegin erklärt ihren selbstgewählten englischen Namen Becky damit, sie habe die Silbe -cky in Micky so niedlich gefunden.) Auch nicht weil das chinesische Poplied "Mäuse lieben Reis" (Laoshu ai dami) vor einigen Jahren über das Internet asienweite Begeisterung ausgelöst hat wie kein zweites. Nein, interessant sind die chinesischen Mäuse vor allem wegen ihrer Namen. Es gibt Kiefernmäuse (songshu), Lagermäuse (cangshu), Schweinchenmäuse (tunshu), Samtmäuse (rongshu), Schlafmäuse (shuishu), große Mäuse (dashu), Bodenbohrmäuse (tuboshu) - die werden auch Ödlandotter (hanta) genannt -, Beutelmäuse (daishu) und schließlich sogar den grimmig klingenden gelben Mauswolf (huangshulang). Bevor ich jetzt auflöse, wie die ganzen Mäuse auf Deutsch heißen, gebe ich dem Leser kurz Gelegenheit, selbst einmal zu überlegen...

In der Zwischenzeit noch wahllos einige kuriose Namen:

  • Robbe: haibao (Meerespanther)
  • Puma: meizhoushi (Amerikalöwe)
  • Truthahn: huoji (Feuerhuhn)
  • Schwan: tian'e (Himmelsgans)
  • Eule: maotouying (Katzenkopfadler)
  • Biber: heli (Flussfuchs)
  • Eidechse: bihu (Mauertiger)
  • Frosch: tianji (Feldhuhn)
  • Hummel: xiongfeng (Bärenbiene)
  • Ziege: shanyang (Bergschaf)
  • Dackel: lachanggou (Wursthund)
  • Kolibri: fengniao (Bienenvogel)

Nur einige wenige Tiernamen lassen sich aus dem deutschen wörtlich übersetzen. So bedeutet hema (Fluss-Pferd) genau das selbe wie in Deutsch, der huanxiong heißt auch auf deutsch Wasch-Bär, und die yanjingshe kennen auch Deutsche als Brillen-Schlange. Auf die Mäuse (s.o.) trifft das indessen nicht zu: songshu heißt auf Deutsch Eichhörnchen, cangshu Hamster, tunshu Meerschweinchen, rongshu Chinchilla, shuishu Siebenschläfer, dashu Ratte, tuboshu oder hanta Murmeltier, daishu Känguruh (fragt sich noch, wer hier die dashu, "große Maus" ist...) und huangshulang heißt Wiesel.