DDr. Hanjo Hamann

Zettelkasten

Verkehrsverhalten

(Kategorie Beijing 2007 | 1.9.2007, 17:50)

Schade, dass Asterix und Obelix nie in China waren; Obelix' legendäres Bonmot hätte hier volle Berechtigung.
Als Fußgänger war ich gelegentlich verwirrt durch das, was die Beijinger Straßenverkehr nennen. Seit ich im selben Verkehr Fahrrad fahre, meine ich aber, die Grundregeln verstanden zu haben, und es schimmert viel der traditionellen chinesischen Philosophie durch:

  1. Achte die Hierarchie! Versuche nicht, mit einem Fahrrad einen Bus zu überfahren. Das Gegenteil ist ok.
  2. Sei wie Wasser. Fließe, wo Platz ist, mach dir Platz, wo kein Platz ist, und versuche nicht, unterm Bus zu fließen.
  3. Suche das spirituelle Gleichgewicht. Ignoriere die physische Realität, die Fahrradfahrer, usw.
  4. Lass der Natur ihren Lauf. Wenn der Fahrradfahrer unter dem Bus landet, ist es der Wille der Natur. Den kannst auch du als Busfahrer nicht ändern!
  5. Das Mandat des Himmels ist nur jenen gegeben, die gerecht regieren. Verkehrsschilder und -regeln, die alle ständig nur behindern, sind nicht gerecht. Achte sie nicht.
Das ist natürlich alles sarkastische Übertreibung. Auch in China gibt es Verkehrsregeln. Ich wüsste zu gern, was da drin steht. Die anderen in dieser Stadt scheint es ja kaum zu interessieren ;)
Eins muss man dem Beijinger Verkehr lassen: Pragmatismus steht an erster Stelle. Wenn der Weg schräg über die Straße über den durchgezogenen Mittelstreifen kürzer ist, kann man auf die Zustimmung des Verkehrspolizisten zählen, wenn man diesen Weg auch nimmt. Wenn die Ampel länger rot ist als der Querverkehr überhaupt fährt, gilt selbiges. Wenn man an der nächsten Kreuzung besser über die Straße kommt, stört es auch keinen, wenn man auf dem entgegenkommenden Fahrradstreifen bis zur nächsten Kreuzung fährt...