DDr. Hanjo Hamann

Zettelkasten

Sehenswürdigkeiten II: Der Zoo

(Kategorie Shanghai 2010 | 24.3.2010, 7:46)

Es war einmal, vor langer, langer Zeit, da versprach ich einen Bericht aus dem Shanghaier Zoo. Heute löse ich mein Versprechen endlich ein.

Einen Wissensvorsprung hat, wem ich bereits die (erschreckenden) Verhältnisse im Beijinger Zoo geschildert habe, und eins schicke ich gleich voraus: Mein Eindruck vom Shanghaier Zoo ist deutlich besser. Ich habe zumindest nicht (wie in Beijing) erlebt, dass Tiere am "Füttern verboten"-Schild und dem daneben schlafenden Wächter vorbei mit Süßigkeiten gefüttert wurden, oder dass die Tiger mit aggressiven Zurufen provoziert und mit ins Gehege geworfenem Müll traktiert worden wären. (Was nicht unbedingt heißt, dass die Shanghaier Chinesen tierfreundlicher wären. Neulich morgens kam ich an einem Mann vorbei, der sich auf der Straße vor einem Wohnblock aufgestellt hatte und mit permanent lautem Klatschen ein Hündchen provozierte, das sich auf dem Balkon im zweiten Stock die kleine Hundeseele aus dem Leib bellte. Ein Nachbar gesellte sich dazu und beobachtete die Szene amüsiert...)


Bei meinem Besuch hatte das Jahr des Tigers noch nicht begonnen. Das sah der Tiger genauso.

Mit teilweise großzügigen, naturgetreuen Volieren und Freilaufanlagen, kleinen Seen und Wasserfällen bietet der Shanghaier Zoo den meisten seiner Tiere ein anheimelndes Zuhause. Ein Teil des Zoos widmet sich Haustieren und hält neben einem Paar Wildschweinen auch verschiedene Hunderassen vor, deren Käfige allerdings eher Tierheimdimensionen haben. Dafür werden in einer Untersektion putzige Welpen und andere Haustiere gehalten, die der geneigte Zoobesucher dann auch prompt erwerben kann.


Ausstellungsräume der zum Verkauf stehenden Haustiere

Besonders goldig war auch die Sektion mit den Goldfischen - dem, wie das Beschreibungsschild verlauten ließ, "Haustier der Welt". Neben zahlreichen Sorten war auch eine zu finden, deren Augen seitlich am Kopf sitzen, dabei aber nach oben blicken... ein bizarrer Anblick!

Schließlich ging es zum Lieblingstier aller Chinesen: dem Panda. Ich erinnerte mich noch gut an den Beijinger Zoo, der für die Pandasektion einen (hohen) Extra-Eintritt nahm und dann, nach langer Wartezeit, sechs schlafende Bären mit dreckigem und vergilbtem Fell präsentierte - neben sieben Läden mit Pandasouvenirs! So war ich schon erstaunt, dass die Shanghaier Pandabären im normalen Eintritt enthalten waren. Noch überraschter war ich allerdings ob der Lebhaftigkeit der kleinen putzigen Bärchen. Zehn Pandajunge waren Anfang 2010 aus der Pandaprovinz Sichuan gekommen, tobten nun im Gehege herum und knabberten Bambuszweige.

An jenem Tag wurde ich ganz ähnlich bekehrt wie der bekannteste deutsche Pandaausrottungsapologet. Nur ein Wermutstropfen tränkte meinen Besuch: Die Pandas waren nur für die Zeit der EXPO nach Shanghai gekommen und würden danach wieder nach Sichuan zurückkehren. Nicht, dass mich die Tatsache an sich betroffen gemacht hätte, aber was daraus folgt, lässt sich in China an zehntausend Fingern abzählen: Gefühlte tausend chinesische Besucher auf jeden Panda.

(Zehntausend heißt übrigens auf Chinesisch wan und war in alter Zeit ein Synonym für "endlos viele". So wurde dem großen Steuermann noch zugejubelt, er möge wan Jahre leben. Daneben ist wan eine eigene Rechenbasis: statt hundert-tausend, eine-Million, zehn-Millionen heißt es auf Chinesisch zehn-Zehntausend, hundert-Zehntausend, tausend-Zehntausend; danach geht es genauso auf der Basis yi, hundert Millionen, weiter.) Vermutlich wären die Besuchermassen aber auch angebrandet, wenn die Pandas länger in Shanghai zu Gast gewesen wären - die schwarzweißen Bären sind halt das beliebteste Tier Chinas. Dass Panda auf Chinesisch "Bärenkatze" heißt, hatte ich schon erwähnt; auch echte Katzen gab es im Shanghaier Zoo - allerdings nicht im Gehege, sondern im Imbissbereich...

Zum Abschluss habe ich für alle Leser noch eine Preisfrage vorbereitet; zu gewinnen gibt es zwei Liter Anerkennung oder ein halbes Pfund Lob. (Das Pfund, jin, ist hier übrigens die traditionelle Gewichtseinheit, nach der noch heute die Obst- und Gemüsepreise ausgeschrieben werden - wozu oft auch Süßigkeiten gehören: Sogar mit abgepacktem Pudding wurde ich schon von der Supermarktkasse weggeschickt, um die drei Puddingbecher zu verbeuteln und mit einem Aufkleber von der Obstwaage zu versehen. Tee wird aufgrund seines höheren Preises oft nach Zehntelpfund, liang, gekauft.)


Welchem Tier gehört das abgebildete Gehege?