DDr. Hanjo Hamann

Zettelkasten

Neulich in Shanghai (6-10)

(Kategorie Shanghai 2010 | 31.3.2010, 11:14)

Hier die letzten fünf Teile der Serie "Neulich in Shanghai...", in der ich laufend ein interessantes Bild vorstelle, das mir hier vor die Linse geraten ist:

 

Das gibt's nur hier. In der letzten Folge "Neulich in Shanghai" geht es noch einmal um das Thema chinesische Regeln. Es heißt ja, an den Verboten eines Landes könne man seine wahren Zustände ablesen, und die drei abgebildeten Verbotsschilder sind nicht nur typisch für China, sondern womöglich sogar einzigartig. Auch wenn bei den ersten beiden Schildern offenbar das Design nicht ganz unumstritten ist, sieht man sie an jeder Straßenecke. Sie sind relativ selbsterklärend. Das dritte Schild hingegen habe ich nur ein einziges Mal gesehen; es verbietet Feuerwerk - genau wie die meisten chinesischen Parkbenutzungsordnungen.

 

Die Welt kommt nach Shanghai. Ich bereite mich auf meine Abreise vor, Shanghai dagegen auf die Ankunft anderer Gäste. Beijing hatte die Olympischen Spiele, Shanghai hat die Weltausstellung. Die erste EXPO in einem Entwicklungsland beginnt am 1. Mai 2010 unter dem Motto "Bessere Stadt, besseres Leben" und thematisiert erstmals die Entwicklung urbaner Lebensräume. Als Maskottchen fungiert die "kleine blaue Person" (offizielle Beschreibung!) haibao, die in Shanghai schon seit Monaten von jeder Straßenecke, unzähligen Plakaten und im U-Bahn-Fernsehen winkt. haibao, das heißt "Schatz des Meeres", und soll mit seiner blauen Farbe außer dem Lebenselement auch noch den Fortschritt und manch anderes symbolisieren. Sogar die Straßenverkäufer haben neben gefälschten Rolex' immer haibao-Plüschtiere im Angebot - wenn auch ohne Qualitätsgarantie... Das grüne EXPO-Logo, das im Bild auf dem vorderen haibao zu erkennen ist, stellt übrigens eine - wie ich finde: gekonnt! - stilisierte Variante des Schriftzeichens für "Welt" dar.

 

Frühling in Shanghai. Der Frühling ist in Shanghai die nach Ansicht vieler angenehmste Jahreszeit - leider auch die kürzeste. Der kaltnasse Winter geht meist ziemlich schnell in einen drückend heißen Sommer über. (Zusammen mit den Städten Chongqing, Wuhan, Nanjing, Changsha, Hangzhou und Nanchan gehört Shanghai zu den sprichwörtlichen "Sieben Hochöfen Chinas".) Das Bild stammt aus dem berühmtesten klassischen Garten Shanghais, dessen wechselvolle Geschichte in der Ming-Dynastie 1559 begann, und zeigt im Hintergrund eines der älteren Hochhäuser der Shanghaier "Altstadt".

 

Kein Strom? Kein Problem! Auf der Yuyuan-Straße in der Nähe des Sun-Yatsen-Parks demonstriert ein danwei (Betrieb) Solidarität mit den Nachbarn, und zwar nach außen... typisches Beispiel für den "There, I fixed it"-tauglichen chinesischen Pragmatismus. In China haben Steckdosenleisten übrigens nie die in Deutschland üblichen Vertiefungen - genauso wie die verhalten lächelnden Wandsteckdosen.

 

Zedong Obama und Barack Mao. In einer Kunstgalerie Shanghais hängen Pop-Art-Drucke des chinesischen Volksbefreiers Mao Zedong und des amerikanischen Reformpräsidenten Barack Obama in trauter Einheit nebeneinander. Tatsächlich ist das Verhältnis des amerikanischen Präsidenten zum Reich der Mitte alles andere als harmonisch - durch den angekündigten Waffenhandel mit Taiwan und einer bevorstehenden Audienz für den Dalai Lama geht Obama auf Konfrontationskurs mit der chinesischen Regierung.