Hanjo Hamann / Publications

77 … Diskussionsbericht zum Referat von Katja Langenbucher. [Digitales Finanzwesen: Vom Bargeld zur Blockchain], 218 Archiv für die civilistische Praxis 428–435 (2018)

76 … Evidence-Based Jurisprudence meets Legal Linguistics. Unlikely Blends Made in Germany, 43 Brigham Young University Law Review forthcoming (2018), jointly with Friedemann Vogel

German legal thinking is infamous for its hair-splittingly sophisticated dogmatism. Some of its other research contributions are frequently overlooked, both at home and abroad. Two such secondary streams recently coalesced into a new corpus-based research approach to legal practice: Empirical legal research (which had blossomed in Germany already by 1913) and research on language and law (following German pragmatist philosopher Wittgenstein 1922). The article introduces these research traditions in their current German incarnations (Evidence-Based Jurisprudence and Legal Linguistics) and shows how three common features – their proclaimed pragmatism, their skepticism towards legal authority and their big data strategy – inspired a new corpus-based research agenda: Computer Assisted Legal Linguistics (CAL²).

75 … Normativität und Gerechtigkeit als emergente Sprachphänomene. Rezension zu Claudia Woldt, Normativität als linguistische Schnittstelle (2013), 104 Archiv für Rechts- und Sozialphilosophie forthcoming (2018)

Ein Buch, das Normativität und Gerechtigkeit im Titel trägt, sollte auch Juristen interessieren – selbst wenn es in einer kulturwissenschaftlichen Schriftenreihe erscheint. Slawistin Claudia Woldt hat ein solches Buch vorgelegt. Eine Habilitationsschrift sollte es werden, wie aus dem Umfeld verlautete. Entfaltet wird ein linguistisches Modell, anhand dessen sie ausgewählte russische Rechts- und Pressetexte darauf untersucht, wie sie Normativität sprachlich einkleiden. Nein, mehr noch: herstellen. Was also kann die Rechtsphilosophie aus diesem Unterfangen lernen?

74 … Justizforschung und Digitalisierung. Neue Wege zur Erschließung der Personalgeschichte des Bundesgerichtshofs im Internet, 30 Internet-Zeitschrift für Rechtsinformatik und Informationsrecht forthcoming (2018), jointly with Marisa Nest

Die traditionelle europäische Vorstellung vom kodifizierten Gesetzesrecht, das durch Richter lediglich ausgesprochen oder punktuell konkretisiert wird, lässt wenig Spielraum für die Entfaltung individueller Richterpersönlichkeiten. Dabei lässt sich gerade in Deutschland eine Hinwendung zur richterrechtlichen Methodik beobachten, die dazu ermutigt, sich mit der Personalgeschichte der Justiz differenzierter als bisher auseinanderzusetzen. Der vorliegende Beitrag versteht sich als Anregung und Arbeitshilfe zur Nutzung digitaler Arbeitsprozesse in der rechtsgeschichtlichen Forschung – einer Methodeninnovation, die andere Disziplinen derzeit unter dem Stichwort digital humanities verhandeln. Dies trägt dazu bei, die durch Rechtswissenschaftler immer öfter eingeforderte freie(re) Verfügbarkeit amtlicher Justizdaten zu verbessern, und erleichtert zugleich die Erforschung des Rechtssystems in anderen Fachdisziplinen, die dafür auf offen verfügbare Forschungsdaten (open data) angewiesen sind.

73 … Empirische Methoden für die Rechtswissenschaft. 35. Jahrestagung für juristische Institutionenökonomik vom 7. bis 10. Juni 2017 in Siracusa (Sizilien), 73 JuristenZeitung 291–293 (2018)

„Was muß ich allgemein zum Zwecke der Rechtsanwendung in einem bestimmten Rechtsgebiet an zugrundeliegenden Realien kennen? Mit Hilfe welcher Zweige der Wirklichkeitswissenschaft … sind diese Realien zu erfassen?“ – Diese Fragen beschäftigten vor mittlerweile 45 Jahren einen gerade nach Göttingen berufenen Rechtslehrer in seiner Antrittsvorlesung zur „Empirie in der Rechtsdogmatik“. Der Fragesteller ist längst emeritiert, doch seine Fragen treiben die juristische Methodenlehre bis heute um. Nun widmete sich auch eine international besetzte Tagung den „Empirical Methods for the Law“. Dem Ruf ihrer Bonner Organisatoren folgten etwa zwei Dutzend Teilnehmer, davon ein Drittel aus Deutschland. Zwölf Rechtsprofessor(inn)en, davon zehn zugleich geistes- und sozialwissenschaftlich promoviert, und neun Professor(inn)en aus Philosophie, Psychologie, Statistik und Ökonomik diskutierten zweieinhalb Tage lang über die Frage, „ob es besondere empirische Methoden geben kann, die der Rechtsforschung eigen sind“.

72 … § 157 BGB in praxisgerechten Zitierringen. Mein viel zu verschämter Versuch, im Onlinekommentar zitiert zu werden, 72 JuristenZeitung 1098–1099 (2017)

Neulich schmökerte ich wieder einmal in meinem Lieblingsbuch, dem BGB. Da gibt es einen Paragraphen 157, der uns alles sagt, was wir jemals über Verträge wissen wollten: „Verträge sind so auszulegen, wie Treu und Glauben mit Rücksicht auf die Verkehrssitte es erfordern.“ Das ist eine eminent wichtige Grundvorschrift unseres Zivilrechts, über die ganze Bibliotheken geschrieben wurden. Allein die große graue Datenbank verzeichnet 2558 Aufsätze, darunter 16 aus dem „Archiv für die civilistische Praxis“ und 77 aus der „Neuen Juristischen Wochenschrift“ – von Monographien ganz zu schweigen. Und weil ich keine Zeit hatte, das alles selbst zu sichten, frug ich jene, die dafür bezahlt werden: Die Kommentatoren.

71 … Open Access in German Legal Academia. Challenges and Perspectives, Blog Droit Européen (2017/10/25)

This contribution introduces readers to academic Open Access publishing in German jurisprudence. This article was first published on the 25 October 2016, updated on the 25 October 2017.

70 … VGH Mannheim verhandelt über Open Access. Müssen Wissenschaftler ihre Ergebnisse frei zugänglich machen?, 8 Legal Tribune Online 1–2 (24747/2017), jointly with Fabienne Graf

Der VGH Mannheim hat verhandelt, ob Universitäten ihre Professoren zwingen dürfen, veröffentlichte Erkenntnisse frei verfügbar zu machen. Die lang erwartete Abwägung zwischen Urheber- und Wissenschaftsrecht steht aus, der Fall geht wohl zum BVerfG.

69 … The Fabric of Language and Law. Towards an International Research Network for Computer Assisted Legal Linguistics (CAL²), 6 International Journal of Language & Law 101–109 (2017), jointly with Friedemann Vogel

Law and language can be described as complex institutions with emergent properties, like intricate fabrics woven from single-colored fibers. This metaphor suggests to think of legal language in terms of “patterns”: Recurrent motifs in the fabric that the individual language user may not (and in most cases cannot) be aware of, though they explain the development of language more coherently than any narrative based on a priori rules. This perspective corresponds with the recent trend towards computer linguistics using “text as data”. To discuss how these approaches might impact research on the language of law, the Heidelberg Academy of Sciences and Humanities hosted the first international conference on “The Fabric of Language and Law” from the perspective of legal corpus linguistics. Selected papers presented at this meeting in March 2016 were subsequently peer-reviewed and published in an eponymous volume of the International Journal of Language & Law (JLL), edited by the present authors as convenors of the conference. This special issue introduction elaborates on the topic of this meeting, summarizes its contributions, and contextualises the publications that resulted from it. The authors hope that this exchange, which has meanwhile been continued across the Atlantic, may help to establish an international network for research on Computer Assisted Legal Linguistics (CAL²).

68 … Die empirische Herangehensweise im Zivilrecht. Lebensnähe und Methodenehrlichkeit für die juristische Analytik?, 217 Archiv für die civilistische Praxis 311–336 (2017), jointly with Leonard Hoeft

Praktische Beispiele für das Potential und die Grenzen statistischer (d.h. quantitativ-empirischer) Erhebungen in zivilrechtlichen Archivzeitschriften sind bislang rar. Nun gibt ein neuer Vorschlag willkommenen Anlass zu weiterführenden Überlegungen: Alexander Stöhr plädiert am Beispiel der Transparenzkontrolle im Arbeitsrecht „für eine empirische Herangehensweise“. Dazu verwendet er zwei Klauseln aus Arbeitsverträgen, die das Bundesarbeitsgericht 2007 bzw. 2011 am Maßstab des § 307 Abs. 1 S. 2 BGB zu beurteilen hatte, und befragt knapp dreißigtausend Angehörige seiner Universität per E-Mail, wie sie die streitentscheidende Frage des Falls jeweils entschieden hätten. Aus den fast eintausend Antworten, die mehrheitlich von der des BAG abwichen, folgert Stöhr, dass der vom Bundesarbeitsgericht entwickelte „Transparenzmaßstab an der Realität vorbeigeht“ (560), und schlägt deshalb vor, „die Paradigmen der Transparenzkontrolle grundlegend zu überdenken“ (571). Erörterungen zu verschiedenen empirischen Instrumenten runden die Darstellung ab und geben wertvolle Impulse für weiterführende Überlegungen zur Zukunft einer empirischen Rechtsforschung. Diese Impulse kommen genau zur rechten Zeit, denn jüngst wurde auch in den USA eine „dringende“ und „radikale“ methodische Erneuerung der „Vertragsauslegung durch Umfragen und Experimente“ vorgeschlagen, die insbesondere zur Beurteilung überraschender Klauseln in Verbraucherverträgen geeignet und zulässig sein, aber auch im größeren Maßstab die richterliche Auslegung durch empirische Erhebungen anreichern oder gar ersetzen sollen – in der Stoßrichtung völlig identisch mit Stöhr, in Mitteln und Methodik jedoch grundlegend anders.

67 … Richter im Internet. Editionsbericht zur Digitalisierung der Geschäftsverteilungspläne der deutschen Bundesgerichte seit dem Zweiten Weltkrieg, 21 forum historiae iuris 1–12 (8/2017)

Die freie Verfügbarkeit amtlicher Rechtstexte in Deutschland schreitet voran. Nachdem die Bundesgesetze und -verordnungen seit 25.11.2005 unter www.gesetze-im-internet.de, die Verwaltungsvorschriften seit 27.11.2007 unter www.verwaltungsvorschriften-im-internet.de und die neueren Entscheidungen der Bundesgerichte seit 27.1.2016 unter www.rechtsprechung-im-internet.de verfügbar sind, folgte im Februar 2017 mit www.richter-im-internet.de ein neues Informationsportal zu den Zuständigkeiten und Personalien der deutschen Bundesjustiz. Damit liegt ein neues Korpus von Forschungsdaten digitalisiert vor, das für die (Rechts-)Geschichte gleichermaßen nützlich sein wird wie für die Politikwissenschaft, Soziologie und andere empirische Sozialwissenschaften.

66 … Text, Kontext und Textualismus in der juristischen Methodenlehre. Frank Easterbrook neu gelesen und übersetzt, in Recht ist kein Text. Studien zur Sprachlosigkeit im verfassten Rechtsstaat 135–150 (Vogel ed., 2017)

One of the leading schools of jurisprudence in the United States calls itself “textualism” and celebrates its preference for “the language and structure of the law whenever possible over its legislative history and imputed values”. But does that not imply an overly naïve objectivist misconstrual of language? Maybe not. The current contribution introduces to German readers one of the most prominent manifestos of US textualism, in its first ever German translation. Its author, former law professor and current federal judge Frank H. Easterbrook, spells out his conception of how so-called textualism fosters modesty on the part of judges, and enhances effective democratic control of the judicial process – without at the same time embracing an anachronistically pre-modern linguistic worldview. The propositions of his text are as timely today as they where upon publication twenty-odd years ago, and hold out an invitation for a fruitful discourse across the Atlantic, which will be taken up by a German lawyer in the subsequent contribution in this volume.

65 … Juristische Semantik messend verstehen. CAL²Lab – Eine computergestützte Forschungs- und Experimentierplattform als Beitrag zu einer datengestützten Rechtslinguistik, in Recht ist kein Text. Studien zur Sprachlosigkeit im verfassten Rechtsstaat 177–183 (Vogel ed., 2017), jointly with Isabelle Gauer / Friedemann Vogel

The goal of this interdisciplinary project is to develop and test a computer-linguistic platform for assisting legal linguistic research. The platform aims to support analyses of the use of legal language and legal concepts with the help of data-driven methods. It offers semi-automated tools to investigate the structure of legal concepts on multiple levels, while focussing on the contextual (in)determination of legal expressions (“sedimentation of legal dogmatics”) from diachronic (concept change) as well as synchronic (differences subject to legal schools, media, text types, legal fiels, etc.) perspectives. The development and application of the platform opens up new possibilities for legal textual work with mass linguistic data annotated and visualized specially for legal linguistic tasks. Therefore, it contributes to the hermeneutic of a statistical understanding of law. Access to this platform will be free of charge.

64 … Offene Wissenschaft. Wie kann sich Freies Wissen weiter entwickeln? (Interview), Wikimedia Deutschland Blog (2017/6/28)

Bereits 2015 wurde Wikidata mit dem Preis „Ausgezeichnete Orte im Land der Ideen“ prämiert, in diesem Jahr ist es die Onlineplattform www.Richter-im-Internet.de von Hanjo Hamann aus dem Fellow-Programm Freies Wissen 2016/17, das im vergangenen Jahr von Wikimedia Deutschland und dem Stifterverband ins Leben gerufen wurde. Im nachfolgenden Interview berichtet der Preisträger über die Bedeutung von Offenheit in der Wissenschaft, Wikidata und was in Zukunft für Freies Wissen getan werden muss.

63 … Empirische Erkenntnisse in juristischen Ausbildungsarbeiten. Prüfungsschema, Zitier- und Arbeitshilfen für das Jurastudium und danach, 39 JURA - Juristische Ausbildung 759–769 (2017)

Von jungen Jurist(inn)en wird zunehmend Aufgeschlossenheit für empirische Forschung erwartet. Schon eines der traditionsreichsten juristischen Lehrbücher – die Digesten Iustinians – war der Ansicht, „dass zur Rechtskenntnis nicht nur das Wissen um die Rechtsnormen (iusti atque iniusti scientia), sondern auch die Einsicht in die menschliche Wirklichkeit gehört (humanarum rerum notitia).“ Bis heute fehlt es jedoch an Handreichungen, wie sich solche empirischen Einsichten in juristische Studien- und Qualifikationsarbeiten integrieren lassen. Der vorliegende Aufsatz schafft Abhilfe und entwickelt ein Prüfungsschema für die „Rezeption“ empirischer Erkenntnisse in juristischen Ausbildungsarbeiten.

62 … Computer-Assisted Legal Linguistics. Corpus Analysis as a New Tool for Legal Studies, 42 Law & Social Inquiry 1–24 (2017), jointly with Friedemann Vogel / Isabelle Gauer

Law exists solely in and through language. Nonetheless, systematical empirical analysis of legal language has been rare. Yet, the tides are turning: After judges at various courts (including the US Supreme Court) have championed a method of analysis called corpus linguistics, the Michigan Supreme Court held in June 2016 that this method “is consistent with how courts have understood statutory interpretation.” The court illustrated how corpus analysis can benefit legal casework, thus sanctifying twenty years of previous research into the matter. The present article synthesizes this research and introduces computer-assisted legal linguistics (CAL2) as a novel approach to legal studies. Computer-supported analysis of carefully preprocessed collections of legal texts lets lawyers analyze legal semantics, language, and sociosemiotics in different working contexts (judiciary, legislature, legal academia). The article introduces the interdisciplinary CAL2 research group (www.cal2.eu), its Corpus of German Law, and other related projects that make law more transparent.

61 … Die kritische Masse. Aspekte einer quantitativ orientierten Hermeneutik am Beispiel der computergestützten Rechtslinguistik, in Messen und Verstehen in der Wissenschaft. Interdisziplinäre Ansätze 81–95 (Schweiker/Hass/Novokhatko/Halbleib ed., 2017), jointly with Friedemann Vogel

Die nachstehenden Überlegungen zum Verhältnis von Quantität und Qualität im Deutungs- und Erkenntnisprozess der Wissenschaften beruhen auf einer Begegnung sehr unterschiedlicher und dabei doch verwandter Disziplinen: Im Rahmen des Projekts „Juristisches Referenzkorpus“ (JuReko), das seit 2014 von der Heidelberger Akademie der Wissenschaften gefördert wird, erproben wir Möglichkeiten und Grenzen einer „computergestützten Rechtslinguistik“. Dazu dient der Aufbau eines Referenzkorpus des deutschsprachigen Rechts, d.h. einer aufbereiteten Sammlung juristischer Texte aus besonders relevanten Domänen (Gesetzgebung, Rechtsprechung, Rechtswissenschaft) und verschiedenen Rechtsgebieten (Zivil-, Straf-, Verwaltungs-, Wirtschaftsrecht usw.) als Grundlage für semiautomatische Studien aus juristischer, linguistischer und sozialwissenschaftlicher Perspektive.

60 … Strukturierende Rechtslehre als juristische Sprachtheorie, in Handbuch Sprache im Recht 175–186 (Felder/Vogel ed., 2017)

Was bedeutet die pragmatische Wende in der Sprachwissenschaft für das Recht als ein mit Sprache und Sprachverstehen eng verknüpftes Handlungssystem? In der juristischen Methodenlehre entsteht seit einem halben Jahrhundert eine Theorie, die das Recht pragmatisch zu verstehen sucht und dadurch zum juristischen Brückenkopf der modernen Rechtslinguistik wurde. Durch die induktive Reflexion juristischer Entscheidungspraxis macht diese Theorie komplexe Prozesse strukturierter Rechtserzeugung erkennbar, wo die bislang herrschenden Methodenlehren bloße Rechts„anwendung“ sehen. Die Strukturierende Rechtslehre zeigt auf, dass juristische Deutungen als eine Form des Sprachverstehens ihren Sinn nur aus dem sozialen Miteinander gewinnen können und dass sich sogar die oft als lebensfremd verbrämte Rechtsdogmatik nur in intensiver Wechselwirkung mit der Lebenswirklichkeit denken lässt. Dadurch werden Recht und Sprache als emergente Phänomene der dritten Art verständlich und das Gebot einer interdisziplinär offenen Rechtswissenschaft unabweislich.

59 … Das juristische Referenzkorpus (JuReko). Computergestützte Rechtslinguistik als empirischer Beitrag zu Gesetzgebung und Justiz, in DHd 2016: Modellierung - Vernetzung - Visualisierung. Die Digital Humanities als fächerübergreifendes Forschungsparadigma 156–158 (Burr ed., 2nd ed. 2017), jointly with Isabelle Gauer / Friedemann Vogel

Sprachwissenschaftler_innen und Jurist_innen haben gemein, dass sie mit Texten arbeiten. Der juristische Umgang mit Texten ist allerdings geprägt und überformt von den Verfassungsgeboten der Rechtssicherheit und Vorhersehbarkeit der Interpretation von Normtexten, die eine disziplinäre Standardisierung erfordern. [Konferenzabstract]

58 … Computergestützte Rechtslinguistik (CAL²). Das Gewirk von Sprache und Dogmatik des Rechts am Beispiel des JuReko-Referenzkorpus, in Jahrbuch 2016 251–255 (Heidelberger Akademie der Wissenschaften ed., 2017), jointly with Friedemann Vogel

Das Kollegprojekt „Juristisches Referenzkorpus (JuReko)“ widmet sich interdisziplinär den Möglichkeiten und Grenzen einer „Ausmessung“ juristischer Diskurse. Dabei werden neuere Erkenntnisinteressen und Methoden zweier Disziplinen – der Rechts- und Sprachwissenschaft – vereint und Wege zur Entwicklung einer computer- und korpusgestützten Rechtslinguistik beschritten. Die Begegnung einer evidenzbasierten Jurisprudenz mit der empirischen Computerlinguistik ermöglicht es, in großen Textmengen Diskurssedimente aufzuspüren und dadurch die Entstehung und Entwicklung dogmatischer Lehren, wissenschaftlicher Schulen und sozialer Netzwerke zu untersuchen.

57 … Müssen Richter mit allem rechnen? Empirische Realitäten im Rechtssystem, Jahrbuch 2017 Max-Planck-Gesellschaft, Forschungsbericht MPI Gemeinschaftsgüter (2017/3/6)

In Continental Europe, traditional legal thinking is rather remote from empirical research and statistics. Nonetheless lawyers have been trying for more than one hundred years to fuse knowledge about society’s “is’s and oughts”. Their attempts had to continuously adapt to changes in the dominant intellectual paradigms, and are now framed as discursive argumentation about different normatively infused descriptions of the world. As such, empirical discourse is indispensable for the law and will shape legal education in the future. Complex legal realities require statistical legal thinking.

56 … Gerichtsurteile als Menschenwerk. Zum Editionsprojekt „Die Namen der Justiz“, Wikimedia Deutschland Blog (2017/2/23)

Das Fellow-Programm Freies Wissen wurde 2016 von Wikimedia Deutschland und dem Stifterverband initiiert, um junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dabei zu unterstützen, ihre eigene Forschung und Lehre im Sinne von Open Science zu öffnen und damit für alle zugänglich und nachnutzbar zu machen. In diesem Gastbeitrag stellt der Stipendiat Hanjo Hamann sein Projekt vor, welches er im Rahmen des Fellow-Programms durchführt.

55 … Computer Assisted Legal Linguistics (CAL²), in Legal Knowledge and Information Systems. JURIX 2016: The Twenty-Ninth Annual Conference 195–198 (Bex/Villata ed., 2016), jointly with Friedemann Vogel / Isabelle Gauer

We introduce Computer Assisted Legal Linguistics (CAL²) as a semi-automated method to “make sense” of legal discourse by systematically analyzing large collections of legal texts. Such digital corpora have been increasingly used in computational linguistics in recent years, as part of a quantitative research strategy designed to complement (rather than supplant) the more qualitative methods used hitherto. This use of statistical algorithms to analyze large bodies of text meets with an increasing demand by lawyers for empirical data and the recent turn towards evidence-based jurisprudence. Together, these research strands open exciting avenues for research and for developing useful IT tools to support legal decision-making, as we exemplify using our reference corpus of about 1 billion tokens from the language of German jurisprudence and legal academia.

54 … Freier Zugang zur juristischen Fachliteratur im Spiegel der Open-Science-Bewegung. Reflexionen zur Tagung «Open Access in den Rechtswissenschaften» vom 27. Mai 2016 an der Universität Bern, 3 sui-generis.ch - Die juristische Open-Access-Zeitschrift 96–104 (2016)

Die Wissenschaftskommunikation befindet sich weltweit im Umbruch: Einflussreiche Forschungsinstitutionen wollen bis 2020 die Resultate aller öffentlich finanzierten Forschung frei im Internet zugänglich machen. Die sogenannte Open-Access-Bewegung wird auch die Rechtswissenschaft in ihren Grundfesten erschüttern, wenn Juristen nicht frühzeitig vorbauen. Nur eine breite und ergebnisoffene Diskussion über die Ursachen, Potentiale und Gefahren von Open Access kann verhindern, dass die Besonderheiten der juristischen Fachkultur und die gewachsenen Strukturen ihrer Verlage in den entscheidenden Debatten übersehen oder übergangen werden. Diese Diskussion wurde nun durch eine Tagung an der Universität Bern eröffnet, die neue Impulse gesetzt hat und zu weitergehenden Reflexionen über den Mehrwert von Open Access, den bisherigen Widerstand vieler Rechtswissenschaftler und die künftige Rolle der juristischen Fachverlage anregt.

53 … Justiz im Dauerfeuer, 71 JuristenZeitung 1108–1110 (2016)

Es herrscht Krieg in der deutschen Rechtspflege. Die Tagespresse schweigt, doch täglich mehren sich in den Fachgazetten Andeutungen auf gewalttätige Ausschreitungen an deutschen Gerichten – bis hin zu den höchsten der Republik.

52 … Open Access in der Rechtswissenschaft. Tagung an der Universität Bern am 27. Mai 2016, 118 Gewerblicher Rechtsschutz und Urheberrecht 1140–1142 (2016)

Das Kürzel „OA“ ist juristisch verwaist, seit 1934 die württembergischen Oberämter in Kreise umbenannt wurden. Nun wird es neu belebt: Man spricht von „OA‐Veröffentlichungen“ und meint jene, auf die jedermann im Internet offen zugreifen kann – auf Englisch: „Open Access“. Waren OA‐Veröffentlichungen bislang vor allem Gegenstand juristischer Forschung, erreichten sie die deutsche Jurisprudenz am 27.5.2016 auch als binnendisziplinäre Methodenfrage. Darüber zu diskutieren hatten D. Verdicchio, D. Hürlimann, B. Dengg und R. Schatzmann an die Universität Bern eingeladen.

51 … The Hog Cycle of Law Professors. An Econometric Time Series Analysis of the Entry-level Job Market in Legal Academia, 11 PLoS ONE 1–22 (e0159815 & e0168041/2016), jointly with Christoph Engel

The (German) market for law professors fulfils the conditions for a hog cycle: In the short run, supply cannot be extended or limited; future law professors must be hired soon after they first present themselves, or leave the market; demand is inelastic. Using a comprehensive German dataset, we show that the number of market entries today is negatively correlated with the number of market entries eight years ago. This suggests short-sighted behavior of young scholars at the time when they decide to prepare for the market. Using our statistical model, we make out-of-sample predictions for the German academic market in law until 2020.

50 … “Begin at the beginning”. Lawyers and Linguists Together in Wonderland, 3 The Winnower 1–9 (4919/2016), jointly with Friedemann Vogel / Dieter Stein / Andreas Abegg / Łucja Biel / Lawrence M. Solan

What do patterns in legal language tell us about power, policy and justice? This question was at the heart of a conference on “The Fabric of Language and Law: Discovering Patterns through Legal Corpus Linguistics”, convened in March 2016 by the international research group “Computer Assisted Legal Linguistics” (CAL²) under the auspices of the Heidelberg Academy of Sciences. About forty scholars from Germany, Switzerland, Italy, Poland, Spain and the US brought together their different intellectual and disciplinary perspectives on computational linguistics and legal thinking. Concluding the conference, four legal linguistics experts – two native linguists, two native lawyers – discussed the perspectives and limitations of computer-assisted legal linguistics. Their debate, which this article faithfully reproduces, touches on some of the essential epistemological issues of interdisciplinary research and evidence-based policy, and marks the way forward for legal corpus linguistics.

49 … Mauerfall in den Wissenschaften. Tagung “OpenCon 2015 – Empowering the Next Generation to Advance Open Access, Open Education and Open Data” vom 14. bis 16. November 2015 in Brüssel, 7 Rechtswissenschaft. Zeitschrift für rechtswissenschaftliche Forschung 318–326 (2016)

Als „Bezahlmauer“ (paywall) wird der Bildschirm bezeichnet, den sieht, wer versucht, diesen Tagungsbericht online abzurufen: Er enthält Titeldaten und Vorschau sowie den Hinweis „Um Zugang zum Volltext (kostenpflicht) zu erhalten, haben Sie folgende Möglichkeiten: Bitte melden Sie sich an! / Bitte kontaktieren Sie den Kundenservice! / Zur gedruckten Ausgabe“. Der eigentliche, nun folgende, Text befindet sich „hinter“ der Mauer. Glaubt man den Prophezeiungen einer neuen Wissenschaftlergeneration, werden diese Bezahlmauern bald fallen. [Tagungsbericht]

48 … Juristisches Referenzkorpus (JuReko). Computergestützte Zugänge zu Sprache und Dogmatik des Rechts, in Jahrbuch 2015 288–291 (Heidelberger Akademie der Wissenschaften ed., 2016), jointly with Friedemann Vogel

Das Projekt ist ein Beitrag zur interdisziplinären Rechtsforschung und widmet sich den Möglichkeiten und Grenzen einer „Ausmessung“ juristischer Diskurse. Dabei werden neuere Erkenntnisinteressen und Methoden zweier Disziplinen – der Rechts- und Sprachwissenschaft – vereint und Wege zur Entwicklung einer computer- und korpusgestützten Rechtslinguistik beschritten. Damit schlägt das Projekt Brücken zwischen neuerer empirischer Rechtsforschung auf der einen und computergestützter und rechtsmethodisch geschulter Korpuslinguistik auf der anderen Seite.

47 … Gedächtniskunst in der Rechtsdidaktik. Zum Wert von Eselsbrücken für Studium, Referendariat und Rechtspraxis, 3 Zeitschrift für Didaktik der Rechtswissenschaft 116–135 (2016)

Gedächtniskunst und Rechtsdogmatik gehören seit der Antike untrennbar zusammen, doch ihr Verhältnis kehrte sich im Lauf der Geschichte um: War die Rechtsdogmatik ursprünglich nur mnemotechnisches Hilfsmittel zum Erlernen des antiken Fallrechts, gewann sie im Zeitalter der Kodifikationen die Oberhand und machte sich ihrerseits die Gedächtniskunst für das Rechtsrepetitorium und als allgemeine Berufskompetenz (soft skill) dienstbar. Der Beitrag untersucht eine einfache Gedächtniskunst – den Bau von „Eselsbrücken“ – auf ihre Funktionsweise, ihr Potential und ihre Grenzen, arbeitet drei didaktische Konstruktionsprinzipien heraus (Passung und Anschaulichkeit; phonetische Kodierung; semantische Verknüpfung) und belegt an praktischen Beispiele den didaktischen Wert von Eselsbrücken – und Gedächtnisschulung allgemein – in der Juristenausbildung.

46 … „Pasta“ mit „Sauce“ und „Wurst“. Eine Eselsbrückensammlung für Jurist(inn)en, Esel brück' Dich! (2016/6/1)

Im zweiten Heft der Zeitschrift für Didaktik der Rechtswissenschaft (ZDRW) von 2016 erschien mein Aufsatz unter dem Titel „Gedächtniskunst in der Rechtsdidaktik. Zum Wert von Eselsbrücken für Studium, Referendariat und Rechtspraxis“, der auch Beispiele für juristische Eselsbrücken zusammenstellte. Aus Platzgründen musste die dort abgedruckte Sammlung allerdings auf 20 Eselsbrücken gekürzt werden, daher wird die ursprünglich vorgesehene Sammlung von 73 Eselsbrücken (und einigen weiteren nur in Fußnoten erwähnten) nun als Zusatzmaterial auf der Lernplattform www.eselbrueckdich.de zur Verfügung gestellt.

45 … Per Anhalter durch die Urteilsformalien. Ein vergleichendes Muster für Referendare, 48 Juristische Arbeitsblätter 450–453 (2016)

Eine der wichtigsten Fähigkeiten, die angehenden Assessoren im zweiten Staatsexamen abverlangt wird, ist die sichere Beherrschung formaler Gestaltungsvorgaben. Der richtige formale Aufbau der praktischen Prüfungsleistungen bringt zwar kaum Punkte, dafür kostet der falsche umso mehr. Denn bei Licht betrachtet sind die Formalien größtenteils harmlos: Ihre Beherrschung verlangt kein intellektuelles Hexenwerk, sondern „nur“ Fleiß und Übung. Es empfiehlt sich deshalb, den Lernaufwand zu verringern, indem die erdrückende Vielfalt von Formalien auf gewisse allgemeine Standardmuster zurückgeführt wird. Das versucht die vorliegende Arbeitshilfe.

44 … Behavioral Second-Order Strategies. Exploiting Market Myopia and Agent Delegation in Economic Decision-Making, Raspberry: SciPress publishers (2016), 112 pp.

Wann und wie instrumentalisieren Menschen die Unbedachtheit ihrer Mitmenschen und die Möglichkeit, Entscheidungen auf Mittelsleute zu delegieren, für eigennützige Zwecke? Die Studien der vorliegenden Dissertation untersuchen diese Frage in drei verschiedenen Kontexten: Für Karriereentscheidungen juristischer Nachwuchswissenschaftler in Deutschland, für wirtschaftliche Führungsentscheidungen mit ökologischen Auswirkungen in Deutschland und den USA, und für die Zusammenarbeit zwischen weißen und schwarzen Studenten im Südafrika nach Ende der Apartheid.

43 … Das Buch der Bücher, im Original mit Untertiteln. Rechtstatsachen und Reflexionen zur Gliederung deutscher Gesetze, 30 Zeitschrift für Gesetzgebung. Vierteljahresschrift für staatliche und kommunale Rechtsetzung 381–395 (2015)

Die Gliederung deutscher Gesetze ist ein wichtiges Thema sowohl der Legistik und Rechtsförmlichkeit als auch der juristischen Methodenlehre, wurde allerdings noch nie systematisch untersucht. Empirisches Wissen über die bislang gebräuchlichen Arten der Gesetzesgliederung ist ebenso rar wie methodische Reflexionen, die bei der künftigen Gestaltung deutscher Gesetze helfen können. Der vorliegende Beitrag schafft Abhilfe, präsentiert erstmals rechtstatsächliche Befunde und stößt dabei auf mancherlei Kuriosität.

42 … Zeitgeistreiches. Scherz und Ernst in der Juristenzeitung: Glossen aus sechzig Jahren, Tübingen: Mohr Siebeck publishers (2015), 207 pp., jointly with Martin Idler

[Timely Witticisms. The Jurists’ Journal in Jest and in Earnest: Selected Satires From Sixty Years]
Nowhere in law does humor thrive as vividly as in satire, being scientific critique as much as sophisticated diversion, a discourse format as well as an art form. Out of more than four hundred satires from Germany’s renowned Jurists’ Journal (Juristenzeitung), the present volume selects some that remain amusing and thought-provoking even today.

41 … Der „Sprachgebrauch“ im Waffenarsenal der Jurisprudenz. Die Rechtspraxis im Spiegel der quantitativ-empirischen Sprachforschung, in Zugänge zur Rechtssemantik. Interdisziplinäre Ansätze im Zeitalter neuer Medien 184–204 (Vogel ed., 2015)

How does the Law speak about Language? Legal theorists currently considers the “plain meaning” or “ordinary usage” as the key to interpreting legal texts. Yet they clarify neither what they mean by language “usage” nor which purpose they attribut to it or how they determine usage in the first place. To answer these questions with a quantitatively reliable assessment, the present study examines all federal laws of Germany and the 9.000 most important German court cases of the last ten years to analyse how these legal texts use “language usage”. Results show that they use it to denote two categorically different phenomena: terms and definitions as set by lawmakers, on the one hand, and communication as practiced by rule addressees on the other. Courts use the latter especially to determine word meanings, sourcing it directly from dictionaries and their own language comprehension. The present article criticizes this approach and discusses methods to base “language usage” on solid empirical research, thus preventing its deterioration into a substantially meaningless appeal to authority.

40 … Vom corpus iuris zu den corpora iurum. Konzeption und Erschließung eines juristischen Referenzkorpus (JuReko), in Jahrbuch 2014 275–278 (Heidelberger Akademie der Wissenschaften ed., 2015), jointly with Friedemann Vogel

Das Projekt versteht sich als Beitrag zur interdisziplinären Rechtsforschung und widmet sich den Möglichkeiten und Grenzen einer „Ausmessung“ juristischer Diskurse. Dabei werden neuere Erkenntnisinteressen und Methoden zweier Disziplinen – der Rechts- und Sprachwissenschaft – vereint und Wege zur Entwicklung einer computer- und korpusgestützten Rechtslinguistik beschritten.

39 … Referendarsstation im juristischen Wissenschaftsverlag Mohr Siebeck, 56 Juristische Schulung 32–34 (3/2015)

Finanzinvestoren nennen sie gern „“Hidden Champions“, die kleinen Familienbetriebe im Ländle, die mit traditionsreichen Geschäftsmodellen und schwäbischem Qualitätsbewusstsein beachtliches internationales Renommee und nicht selten die Weltmarktführerschaft erringen und sich trotzdem – nein: deshalb – nicht zum Börsengang hinreißen lassen, sondern in Familienhand bleiben. Dabei müssen „Hidden“ Champions keineswegs im Verborgenen werkeln: Nördlich der Schwäbischen Alb etwa prägt einer sein Löwensignet samt Gründungsjahr 1801 auf Abertausende von Druckwerken – um gerade von sich reden zu machen: Der Verlag Mohr Siebeck GmbH & Co. KG. Hervorgegangen aus zwei südwestdeutschen Verlagsbuchhandlungen, gehört er heute den namensgebenden Siebecks in vierter und fünfter Generation und beschäftigt etwa 40 Mitarbeiter. Sitz des Unternehmens ist ein korallenrotes Palazzo mit dem in die Fassade gemeißelten Wahlspruch Artibus Ingenuis („Den edlen Künsten“), schräg gegenüber vom Hauptgebäude der Universität von 1477 mit dem ungleich kühneren Motto ihres Gründers Attempto („Ich wage es“). Dort sitzen sowohl die Zulieferer als auch die Endkunden des Verlags, denn für Juristen sind dessen gelb eingeschlagene Monografien, seine zig Lehrbücher und bald sieben Großkommentare ebenso unverzichtbar wie die Entscheidungssammlung BVerfGE und die Zeitschriften AcP, AöR, JZ und RabelsZ, die dort neben 15 weiteren erscheinen. Grund genug für eine Referendarsstage im Vorhof der Rechtswissenschaft.

38 … Cui Bono, Benefit Corporation? An Experiment Inspired by Social Enterprise Legislation in Germany and the US, 11 Review of Law & Economics 79–110 (2015), jointly with Sven Fischer / Sebastian J. Goerg

How do barely incentivized norms impact incentive-rich environments? We take social enterprise legislation as a case in point. It establishes rules on behalf of constituencies that have no institutionalized means of enforcing them. By relying primarily on managers' other-regarding concerns whilst leaving corporate incentive structures unaltered, how effective can such legislation be? This question is vital for the ongoing debate about social enterprise forms, as recently introduced in several US states and in British Columbia, Canada. We ran a laboratory experiment with a framing likened to German corporate law which traditionally includes social standards. Our results show that a stakeholder provision, as found in both Germany and the US, cannot overcome material incentives. However, even absent incentives the stakeholder norm does not foster other regarding behavior but slightly inhibits it instead. Our experiment thus illustrates the paramount importance of taking into account both incentives and framing effects when designing institutions. We tentatively discuss potential policy implications for social enterprise legislation and the stakeholder debate.

37 … Forderungserlass und Insolvenzplan. Zur Entmystifizierung „der Naturalobligation“ durch systematische und funktional-teleologische Auslegung, 35 Zeitschrift für Wirtschaftsrecht 308–316 (2015), jointly with Kai Dellit

Gerade 20 Jahre ist es her, dass die InsO verkündet wurde. Mit ihr hielt der Insolvenzplan Einzug - ein sehr modernes Sanierungsinstrument, das aber auf eine durchaus veritable Geschichte zurückblickt. Dieses Spannungsverhältnis hat Systembrüche entstehen lassen, die mit der überkommenen Dogmatik nicht mehr überzeugend zu überbrücken sind. Vor allem die aus dem römischen Recht entlehnte „Naturalobligation“ stiftet inzwischen mehr Verwirrung als Nutzen. Höchste Zeit für eine dogmatische Neujustierung.

36 … Fliegende Schweine im Recht. Prolegomena zu einer wissenschaftlichen Faselei, 68 Neue Juristische Wochenschrift 459–461 (2015)

Unbemerkt von der breiteren Öffentlichkeit jährte sich jüngst zum 40. Mal eine Erfindung, die zu einem festen Bestandteil unserer Rechtssprache geworden ist, aber bisher nie systematisch untersucht wurde. Der vorliegende Beitrag dokumentiert ihre historische Entwicklung und regt weitere Untersuchungen an.

35 … Bovigus. Revisiting a Legal Discovery, 52 Journal of Irreproducible Results 29–31 (4/2014)

In 1838 a German law professor discovered an animal that biology has never heard of. His feat was acknowledged as being one of history’s boldest examples of legal reasoning, but ill feelings on the part of more established colleagues prevented its positive reception. The professor went on to become one of the most renowned legal scholars of his day, but his discovery fell into oblivion. Now it is time to revisit and extend this research.

34 … Die Fußnote, das unbekannte Wesen. Potential und Grenzen juristischer Zitationsanalyse, 5 Rechtswissenschaft. Zeitschrift für rechtswissenschaftliche Forschung 501–534 (2014)

Eines der weltweit wichtigsten Instrumente zur Wissenschaftsevaluation ist die Analyse von Zitationsmustern. Obwohl es Juristen waren, die diese Methodik einst erfanden, blieb sie in der US-amerikanischen Rechtswissenschaft lange verschollen und wird in der deutschen bis heute kaum wahrgenommen. Dabei verspricht sie wichtige Erkenntnisse über die juristische Forschungslandschaft und großen praktischen Nutzen. Die vorliegende Arbeit untersucht deshalb Potential und Grenzen der juristischen Zitationsanalyse sowohl theoretisch – insbesondere unter Rückgriff auf die sozialpsychologische Kommunikationstheorie nach Schulz von Thun – als auch praktisch durch konkrete Pilotstudien. Dafür werden 1,67 Millionen Fußnoten aus 14 juristischen Zeitschriften seit 1980 ausgewertet, um vier Fragen zu beantworten: 1. Welcher Anteil juristischer Veröffentlichungen wird überhaupt zitiert? 2. Welche Zeitschriften werden am häufigsten zitiert? 3. Welche Zeitschriftenartikel haben den größten Einfluss? 4. Wie lassen sich „Klassiker“ im Schrifttum identifizieren? Die Ergebnisse belegen, dass Zitationsanalyse ein wertvolles Instrument im Werkzeugkoffer der juristischen Textarbeit sein könnte, einstweilen aber noch sehr aufwändig ist und deshalb gezielter Förderung durch Wissenschaft und Verlage bedarf.

33 … Redaktionsversehen. Ein Beitrag zur Legislativfehlerlehre und zur Rechtsförmlichkeit, 139 Archiv des öffentlichen Rechts 446–475 (2014)

Errare humanum est, as the Roman classics had it: Humans make mistakes. Not only by believing that „errare humanum est“ is from the Roman classics (It is not.) but even more so in passing legislation. This paper distinguishes ways that legislators may err, and discusses both theoretical concepts and institutional responses. It shows that, despite the popular anthropomorphism, „the legislator“ is best construed not as a person but as an institutional arrangement – a nexus of responsibilities just as „the firm“ is a nexus of contracts. Given this starting point, mistakes in legislation are as inevitable as transaction costs in the economic analysis of law. Yet jurisprudence offers no unified methodology for dealing with such mistakes. Instead it builds on a distinction between „evident“ and „other“ mistakes (Redaktionsversehen), but offers little theoretical guidance and a lot of confusion. By analysing three mistakes from recent years’ legislation, and the subsequent discourse about how to deal with them, the paper shows that said distinction is naïve in light of both the pragmatic turn in linguistics and the complexity-based understanding of legislative intent. It concludes that mistakes in legislation are best avoided ex ante by following experiential rules of law-making as formalised in special guidelines (Rechtsförmlichkeit), and best corrected ex post by openly acknowledging and formally revising the faulty statutes. Future discussion may focus on facilitating revisions by introducing a simplified procedure to formally correct erroneous legislation.

32 … Evidenzbasierte Jurisprudenz. Methoden empirischer Forschung und ihr Erkenntniswert für das Recht am Beispiel des Gesellschaftsrechts, Tübingen: Mohr Siebeck publishers (2014), 414 pp.

[Evidence Based Jurisprudence. Methods and Epistemic Value of Empirical Research in Law, with Examples from Corporate Law]
Law often depends on facts. Yet jurists’ personal life experience is not always sufficient to obtain factual evidence. Hanjo Hamann analyses the basic concepts of empirical legal studies and shows how legal questions are compatible with empirical answers.

31 … Unpacking the Board. A Comparative and Empirical Perspective on Groups in Corporate Decision-Making, 11 Berkeley Business Law Journal 1–54 (2014)

Collegial decision-making is relevant for a host of legal questions and in particular for corporate law. What do we know about its empirical effects? Less than we could. As of yet, pertinent review articles usually (1) assume rather than analyze how much the law actually mandates collegial decision-making, (2) rely mostly on “classical” studies of decision-making or those from behavioral economics, while underrating a century’s worth of previous empirical research, and (3) review the evidence anecdotally with little regard for the robustness of each study’s findings. As a consequence, scholars from corporate law and economics even today rely on theories and evidence which were disproved years ago. The present paper is a remedy. It combines a thorough comparative analysis of corporate statutes with a comprehensive research of empirical evidence, resulting in an assessment of the robust empirical effects of collegial decision-making. Finding that groups tend to deteriorate decision quality and exacerbate cognitive biases, this paper calls upon corporate law to design institutional remedies. Knowing more about these empirical effects will help scholars to identify and eliminate faulty arguments, and thereby improve governance policy and the legal discourse as a whole.

30 … Moderne Verwaltung und E-Mail – oder: Eine Nummer über die Nummer, 69 JuristenZeitung 295–296 (2014)

Haben Sie schon eine E-Mail-Nummer? Die haben Sie ganz sicher, aber vielleicht wissen Sie es nicht. Denn früher hießen E-Mail-Nummern noch E-Mail-„Adressen“. Wie altmodisch. Das deutsche Verwaltungsrecht ist längst weiter.

29 … Juristische Korpuspragmatik – Konferenzbericht, 41 Deutsche Sprache. Zeitschrift für Theorie, Praxis und Dokumentation 285–288 (2013), jointly with Jana Werner

Vom 25. bis 27. April 2013 fand im Freiburger Institute for Advanced Studies (FRIAS) unter Leitung von Jun.-Prof. Dr. Friedemann Vogel die interdisziplinäre Tagung „Juristische Korpuspragmatik: Die Herausforderung des Rechts durch Sprach- und Medientheorie“ statt. Mehr als fünfzig Teilnehmer aus verschiedenen Disziplinen (überwiegend Rechts- und Sprachwissenschaftler) folgten der Einladung nach Freiburg. Die Vorträge, die sich grob unterteilen lassen in Theorie zur Rechtslinguistik (erster Tag), empirische Zugänge zu juristischer Semantik (zweiter Tag) und Zusammenführung der Ergebnisse/Ausblick (dritter Tag), wurden etwa zur Hälfte von Juristen und Sprachwissenschaftlern gehalten. Einig waren sich alle Teilnehmer, dass eine interdisziplinäre Zusammenarbeit von Sprachwissenschaftlern und Juristen zu vertiefen sei, da Erkenntnisse der modernen Linguistik auch Konsequenzen für das juristische Selbstverständnis habe: Nicht ein ‚objektiver’, gegebener Textsinn sei mithilfe der Sprache zu finden, sondern vielmehr sei zu fragen, mithilfe welcher sprachlichen Handlungen Textsinn konstituiert würde. Leider, muss man konstatieren, waren sich hier alle einig, so dass man sich gemeinsam an einem Standpunkt abarbeitete, den unter den Anwesenden letztlich niemand lebendig vertrat, obgleich immer erklärt wurde, es sei dies der hegemoniale Standpunkt innerhalb der Rechtswissenschaften.

28 … Tagungsbericht: Juristische Korpuspragmatik. Tagung des Institute for Advanced Studies (FRIAS) in Freiburg vom 25. bis zum 27. April 2013, 68 JuristenZeitung 829–831 (2013)

Welche Herausforderungen stellt die Sprach- und Medienwissenschaft dem Recht, welche neuen Zugänge eröffnet sie der Rechtswissenschaft? Diese Fragen standen im Zentrum einer Tagung, zu der Rechtslinguist Friedemann Vogel an das “Freiburg Institute for Advanced Studies” (Freiburger Institut für Höhere Studien, FRIAS) geladen hatte. Etwa fünfzig Teilnehmer folgten seiner Einladung, je zur Hälfte aus den rechts- und sprachwissenschaftlichen Fakultäten. Die Tagung suchte Anschluss an frühere, vor allem die Vorjahreskonferenzen „Die Mündlichkeit im Rechtsleben“ (Regensburg 2012) und “Pragmatist and Contextualist Approaches to Vagueness in Legal Theory and in Philosophy” (Freiburg 2012). An drei Tagen diskutierten Referenten und Gasthörer, welchen Nutzen die interdisziplinäre Forschung aus der zunehmenden Digitalisierung von Rechts- und Medientexten ziehen kann.
Die Veröffentlichung der Tagungsbeiträge ist in einem Sammelband beabsichtigt. Um eine vorläufige Bewertung aus Sicht der Rechtswissenschaft zu leisten, sei die Tagung schon jetzt kurz zusammengefasst. Ihr Programm folgte einer klaren Dreiteilung: Die ersten Vorträge entfalteten theoretische Überlegungen zum Verhältnis von Sprache und Recht und bereiteten das konzeptionelle Feld, auf dem in einem zweiten Teil konkrete interdisziplinäre Ansätze erprobt wurden. Der dritte Teil der Tagung widmete sich der Zusammenführung und mündete in einer prominent besetzten Podiumsdiskussion.

27 … 中西文化交流向何处去?一则模仿《论语》的现代对话,  法府书香 – Journal of the Southwest University of Political Science & Law (China) 7 (1/2013)

Quo vadis, deutsch-chinesischer Kulturaustausch? Eine moderne Version der "Analekten"

26 … Biometrie und Autonomie, 46 Kritische Justiz. Vierteljahresschrift für Recht und Politik 184–197 (2013), jointly with Yoan Hermstrüwer

Biometrie ist ein doppeltes Entscheidungsproblem. Während der Einzelne vor seiner Einwilligung eine Unmenge von biometriespezifischen Risiken zu bewerten hat, stehen auch die Rechtsetzung und die Rechtsauslegung vor einem Entscheidungsproblem. Wie sollen die Entscheidungsbeschränkungen, die den Einzelnen bei der Teilnahme an biometrischen Systemen beeinflussen, in der rechtspolitischen und rechtsdogmatischen Entscheidungsfindung berücksichtigt werden? Die Architektur des europäischen Datenschutzrechts und die Sensibilität der Rechtsauslegung für die psychologischen Kräfte, die bei jeder Einwilligung am Werk sind, werden das Schutzniveau des europäischen Datenschutzrechts maßgeblich prägen.

25 … Biometrie und Autonomie. Die Vermessung der Person zwischen Datenschutzrecht und Entscheidungsforschung, in Schwimmen mit Fingerabdruck? Die biometrischen Herausforderungen für das Recht der Gegenwart und Zukunft 1–44 (Hermstrüwer/Hamann/Diers ed., 2012), jointly with Yoan Hermstrüwer

Biometrie birgt Risiken. Zur Handhabung dieser Risiken und zur Entwicklung geeigneter Regulierungsinstrumente kann das Recht wertvolle Impulse aus der Verhaltensforschung gewinnen. Der Beitrag unterscheidet biometrische Systeme rechtlich danach, welchen Grad an Entscheidungsfreiheit sie dem Einzelnen belassen. Im Rahmen einer Auslegung des deutschen und europäischen Datenschutzrechts werden verhaltenswissenschaftlich belegte Entscheidungsrestriktionen und deren Bedeutung für den rechtlichen Umgang mit Biometrie beleuchtet.

24 … Reflektierte Optimierung oder bloße Intuition? Ein verhaltenswissenschaftlicher Beitrag zur Auslegung von § 93 I 2 AktG, 41 Zeitschrift für Unternehmens- und Gesellschaftsrecht 817–834 (2012)

Time and again, business and corporate law receive valuable inspiration from neighboring disciplines. Lately a contribution to this journal enriched our understanding of “decisions” as referred to in Sec. 93 (1) 2 of the German Stock Corporation Act. It applied a decision theory from business administration studies and assessed, in passing, the role of “intuition” in entrepreneurial decision making. The present paper takes up this line of reasoning and explains that the concept of intuition, though formerly well-nigh esoteric, has meanwhile taken a rather clear shape owing to a strand of behavioral research that substantially improved our grasp of human decision making. Recent studies imply that intuition does not merely provide quick and dirty approximations but may in complex environments even be able to optimize decisions in an economic sense. There is no reason, anyway, to assume that intuitive decisions are necessarily less economic than consciously reflective ones. Be that as it may, the law must not privilege such intuitive decisions under the business judgment rule of Sec. 93 (1) 2 German Stock Corporation Act because they cannot be explicated by the decision-maker. Where economically superior results come at the cost of interpersonal transparency, unlimited accountability must be borne in the case of failure.

23 … Zwei Drittel der Wirklichkeit, Social Science Research Network (2012/8/30), jointly with Christiane Heinicke

Which media are best suited to publicly raise controversial legal and political questions? This issue is at the heart of the present short story. The story addresses the recent debate on the limited access to German judicial rulings which received much media attention after a spectacular decision from the Higher Administrative Court of Baden-Wuerttemberg (case number 10 S 281/12, 7th May 2013). Based on this case, the story illustrates how limitations of traditional press reporting could lead to systematic neglect of important issues and a preference for superficially interesting and easily accessible topics. Economic and political constraints contribute to this effect as well as psychological group dynamics. In contrast, participatory Internet media with their greater independence and decentral organisation are more flexible, better placed to raise provocative questions and occasionally even to mobilise greater research resources. At the same time, however, they are often less original, less reliable and easier to instrumentalise. Relating to a host of examples from recent years, the story illustrates these aspects and implicitly asks for the role of investigative journalism in the media environment of the future.

22 … Compliance und Unternehmenskultur als Verhaltenssteuerung. [Rezension zu] Jonas Pape, Corporate Compliance – Rechtspflichten zur Verhaltenssteuerung von Unternehmensangehörigen in Deutschland und den USA, Berlin 2011, 266 S., ISBN 978-3-8305-1870-9, 4 Corporate Compliance Zeitschrift V–VIII (5/2011)

Aus der Unternehmenspraxis entwickelt, erreicht Compliance zunehmend auch die Wissenschaft – man betrachte nur die zahlreichen Dissertationen, die sich aktuell mit Compliance allgemein und Corporate Compliance insbesondere befassen. Allein in den letzten beiden Jahren erschienen zwei Dutzend Arbeiten, die sich mit Compliance etwa in einzelnen Industriesektoren, in einzelnen Rechtsgebieten oder im Rechtsvergleich befassen. Ebenso entstanden aber auch Arbeiten mit einem umfassenderen dogmatischen Anspruch sowie solche aus der benachbarten Betriebswirtschaftslehre. Sogar eine erste Habilitationsschrift zum Thema liegt inzwischen vor.
Für neue Arbeiten bedeutet das rasche Wachstum des Forschungsfelds zweierlei. Einerseits müssen sie vergleichsweise innovativ bzw. originell sein, um noch als wissenschaftliche Leistung wahrgenommen zu werden. Andererseits dürfen sie in einem so jungen Themengebiet noch nicht einmal die Grundlagen als bekannt voraussetzen, so dass vielen Dissertationen die Einführung in die Compliance-Thematik zur Pflichtübung wird.
Die unlängst erschienene Dissertation von Jonas Pape gehört streng genommen nicht zur jüngsten Welle der Compliance-Dissertationen, sondern wurde schon 2008 abgeschlossen. Dennoch werde ich sie am o.g. Maßstab messen und nach einem kurzen Überblick über Struktur und Inhalt der Arbeit (1.) ihren originellen Kern besprechen (2.), bevor ich anhand dessen die Gesamtkonzeption Papes hinterfrage (3.). Abschließend kritisiere ich die Arbeit kurz in formaler Hinsicht (4.).

21 … Das Geheimnis der Gedächtniskunst (II), 1 Jura-Journal. Magazin für junge Juristen 26–28 (2/2010)

Obwohl in Jura unzählige Prüfungsreihenfolgen, Definitionen und Strukturen zu pauken sind, ist die Zahl der Eselsbrücken gering. Der Autor stellt im zweiten Teil des Beitrags weitere Hilfen vor und erläutert die Technik, wie man selbst Eselsbrücken baut.

20 … Juristische Eselsbrücken. Anregungen zum Einsatz der Mnemonik im Rechtsstudium, 7 Studentische Zeitschrift für Rechtswissenschaft 125–143 (2010)

Von allen Arbeitsmitteln des Juristen ist sein Gedächtnis wohl das wichtigste, zumindest vor dem Examen. Dennoch investieren Jura-Studenten weniger als Studenten anderer Fachrichtungen in die Förderung ihres Erinnerungsvermögens. Dabei haben Psychologen längst wissenschaftlich fundierte Untersuchungen über mnemonische Lernhilfen vorgelegt. Der folgende Text befasst sich erstmals im juristischen Schrifttum mit diesem Thema und bietet einfache Eselsbrücken zur Bewältigung juristischer Lerninhalte an. Eine zumindest grundlegende Beschäftigung mit Mnemonik ist jedem Studenten anzuraten; sie ist Lernhilfe und soft skill zugleich und schafft freie Zeit für die wirklich interessanten juristischen Probleme.

19 … Was kostet ein Manager? Preisfindungsmechanismen bei der Vorstandsvergütung, 3 Bonner Rechtsjournal 27–32 (2010)

Die Wirtschaftskrise ist zugleich eine Legitimationskrise der neoklassischen Ökonomie. Selbst in orthodox liberalen Kreisen regen sich Zweifel an der regulatorischen Allmacht des freien Marktes. Schon ein Blick auf die Aufsatztitel juristischer Gazetten verdeutlicht das Ausmaß des Desasters: Bezeugte bis vor kurzem noch die „Aktienrechtsreform in Permanenz“ das Pulsieren einer starken, fordernden Wirtschaft, ist mittlerweile von einer „Finanzmarktstabilisierung in Permanenz“ die Rede. Namhafte Wirtschaftsrechtler fragen unverblümt: „Das Aktienrecht der Krise – das Aktienrecht in der Krise?“
Diese Zweifel tragen auch in ein ohnehin bereits umstrittenes Feld hinein: dasjenige der Organvergütung. Von der corporate-governance-Debatte der letzten Jahre inspiriert, haben Politiker die öffentliche Kontroverse darüber, wieviel Gehalt Manager verdienen und wieviel sie erhalten, als lohnendes Thema entdeckt – lässt sich doch mit den Todsünden Gier und Neid verlockend einfach polarisieren.
Doch auch handfeste Gründe sprechen dafür, die Preisfindungsmechanismen bei der Vorstandsvergütung zu überdenken. Die Wirtschaftskrise war nicht zuletzt Resultat zweifelhafter Verhaltensanreize durch unangemessene Vorstandsgehälter. Daher werde ich im Folgenden zunächst die bisherigen Entwicklungen der Angemessenheitssicherung darstellen (II.), bevor ich das Kernproblem konkretisieren (III.) und danach auf Lösungsmöglichkeiten eingehen (IV.) kann. Abschließend werde ich die Ergebnisse der Untersuchung kurz in Thesen zusammenfassen (V.).

18 … Juristische Kuriositäten II. Über Tiere, Menschen und ihre Missverständnisse, München: GRIN publishers (2010), 36 pp.

Der Aufsatz beleuchtet Kuriositäten im deutschen Recht, und beginnt - getreu seinem Untertitel - im ersten Abschnitt mit den Rechtsverhältnissen der Tiere, leitet dann im zweiten Abschnitt zum Mensch-Tier-Verhältnis über, bevor es im dritten Abschnitt ganz um die (auch halben) Menschen geht. Der vierte Abschnitt schließlich beleuchtet ein besonders kurioses Missverständnis aus der Welt der Juristen.Der Text richtet sich an juristische Fachleute und interessierte Laien.

17 … Das Geheimnis der Gedächtniskunst, 1 Jura-Journal. Magazin für junge Juristen 12–14 (1/2010)

Es ist wie verhext: Manche Dinge wollen einfach nicht hängen bleiben. Dann hilft nur eine „Eselsbrücke“: ein Bild, eine Buchstaben- oder Zahlenkombination. Der Autor erläutert die Technik, wie man Brücken baut. Eine Anleitung.

16 … Die Straße zur Freiheit? – oder: Kritische Bemerkungen zur Neubekanntmachung von Gesetzen, 62 Die Öffentliche Verwaltung. Zeitschrift für öffentliches Recht und Verwaltungswissenschaft 1121–1130 (2009), jointly with Christoph Schwalb

Vor einigen Wochen erschien mit der Neufassung des Gefahrgutbeförderungsgesetzes ein Lehrstück über das Selbstverständnis, mit dem manche Ministerien Parlamentsgesetze behandeln. Die aberwitzigen Textfehler der Bekanntmachung bezeugen eine Sorglosigkeit, die wohl nur Spiegelbild der Eigenmächtigkeit ist, mit der die Behörde zugleich den Gesetzestext „korrigiert“ hat. Der Beitrag belegt anhand zahlreicher Beispiele, dass Neubekanntmachungen oft an substantiellen Fehlern leiden, die meist auf eine Missachtung der rechtsstaatlichen Förmlichkeit zurückzuführen sind. In sechs Thesen entwirft der Beitrag sodann ein dogmatisches Grundgerüst für die Bekanntmachungspraxis, das derartige Fehler ausschließen soll; abschließend regt er auch die Wiederbelebung des BGBl. III an.

15 … Verwirrende Vorschriften im Verbrauchssteuerrecht. [Zugleich eine Kritik am großzügigen Umgang mit Exekutivermächtigungen], 64 Betriebs-Berater. Zeitschrift für Recht, Steuern und Wirtschaft M1 (48/2009), jointly with Georg A. Wittuhn

Mao Zedong prägte die berühmte Kampfparole „Chaos regiert die Welt – die Lage ist ausgezeichnet.“ Ob der deutsche Steuergesetzgeber ähnlich daoistisch denkt?

14 … Herabsetzung von Vorstandsvergütungen in der Krise. Zu einem zeitgemäßen Verständnis von § 87 Abs. 2 AktG unter Berücksichtigung von Arbeitnehmerbelangen, 38 Zeitschrift für Unternehmens- und Gesellschaftsrecht 847–871 (2009), jointly with Georg A. Wittuhn

„Pacta sunt servanda“, das ist ein fester und notwendiger Grundsatz jeder entwickelten Rechtsordnung. Die ungeheuren Schwankungen und Zusammenbrüche in der Weltwirtschaft, insbesondere aber des deutschen Wirtschaftslebens haben das Problem wieder in den Brennpunkt der Erörterungen gerückt, ob an diesem Grundsatz auch dann festzuhalten ist, wenn in den Umständen, unter denen sich ein Schuldner zur Leistung verpflichtet hat, eine Änderung eingetreten ist.
Diese Worte stammen nicht von uns. Sie sind abgeschrieben. Nicht aber, wie man vielleicht vermuten mag, aus einer der juristischen Gazetten dieser Tage, sondern aus einer über 75 Jahre alten Doktorarbeit. Ihr Thema – „Vertragstreue“ – ist heute so aktuell wie damals, und zwar aus dem selben Grund. Dabei hat die Wirtschaftskrise einer bestimmten Art von Verträgen erneut Aufmerksamkeit über die wissenschaftliche Diskussion hinaus verschafft: Anstellungsverträgen von Vorstandsmitgliedern. Die Organvergütung in deutschen Unternehmen war schon seit Beginn der corporate-governance-Debatte ein gesellschaftliches Reizthema. In der aktuellen Wirtschaftskrise griff der Gesetzgeber erstmals direkt in die unternehmerische Gehaltspolitik ein, indem er Unternehmen des Finanzsektors, die sich um eine Förderung durch den Finanzmarktstabilisierungsfonds (SoFFin) bewerben, konkrete Höchstzahlen für die angemessene Entlohnung ihrer Vorstandsmitglieder vorgab: „Bei Organmitgliedern und Geschäftsleitern gilt eine monetäre Vergütung, die 500 000 Euro pro Jahr übersteigt, grundsätzlich als unangemessen.“, so § 5 Abs. 2 Nr. 4 lit. a S. 6 der Verordnung zur Durchführung des Finanzmarktstabilisierungsfondsgesetzes. In den Fällen einer höheren – mithin unangemessenen – Vergütung gibt der nachfolgende Satz den Aspiranten eine „Herabsetzung der Organvergütung im Rahmen der zivilrechtlichen Möglichkeiten unter Einbeziehung des § 87 Abs. 2 des Aktiengesetzes“ auf.
Eben dieser § 87 Abs. 2 AktG – der natürlich auch außerhalb des Finanzsektors gilt und nicht einmal auf das Aktienrecht beschränkt, sondern analog bzw. nach seinem Rechtsgedanken auch auf die GmbH anwendbar ist – ist nun Gegenstand einer gesetzlichen Reform geworden. Der Aufsatz zeigt, dass bei sachgerechter Auslegung des § 87 Abs. 2 AktG schon zuvor weitgehend der Rechtszustand erreicht war, den die Gesetzesänderung nur deklaratorisch nachvollzogen hat und wendet sich damit gegen die bisher vorherrschende Auffassung zu § 87 AktG im Schrifttum und in der Judikatur. Zudem entwickelt der Aufsatz praktische Leitlinien für die Feststellung eines Herabsetzungsfalls i.S.v. § 87 Abs. 2 AktG.

13 … „Unzulässig, aber gelegentlich nicht beanstandet“. Die Hilfsmittelverfügungen der Landesjustizprüfungsämter, 3 Berichte aus der Welt des Rechts 40–44 (2/2009)

Jurastudenten von heute sind keine Glossatoren. Sie dürfen es auch nicht sein, denn handschriftliche Anmerkungen in den Hilfsmitteln zum Ersten Staatsexamen sind weitgehend verboten. Über Sinn und Unsinn dieser Praxis von einem, dessen Examenserinnerung noch frisch ist.

12 … Kuriose Gesetzestexte. SozSichAbkÄndAbk2ZAbkTURG ist einfach kürzer, Spiegel Online (2009/7/6)

Doppelungen, Wortungetüme, Abkürzungsbandwürmer - in deutschen Gesetzestexten findet sich so manche verbale Entgleisung. SPIEGEL ONLINE stellt die kuriosesten Sprachkreationen vor.

11 … Student Participation in Legal Education in Germany and Europe, 10 German Law Journal 1095–1112 (2009), jointly with Lisa Rieder

In Germany, the possibilities of students to participate in and contribute to legal education are generally quite limited. Compared to the legal education systems in the USA and Canada, the course of studies is rather theoretical and quite anonymous. Communication between students, faculty staff and deans is rare, and classes are fairly big. As to the abstractness of the curriculum, several changes have been made to improve the situation. For example, a reform in 2003 was supposed to increase foreign language competence and provide for more specialization and practical relevance. However, the system can still (or again) be considered to be “under construction”. Many important skills are not being taught, and the awareness of the international, social and cultural contexts is largely neglected or lacking reference to the subject matter. There is an ongoing debate about further changes to the legal educational systems especially about the adoption of the Bologna Process. While some consider it inapplicable to the German system, others have already started transferring it at their university. Several federal states have meanwhile started endorsing a basic reform. However the next rulings will not be until 2011. Presently scholars, policy-makers in the field of education and economists face the challenge of devising strategies for legal education that meet the needs and interests of all ”stakeholders” while being compatible with the traditional German system. Students are curious and concerned about the future of their curriculum. Their means of participation include a) passively evaluating teachings, b) actively engaging in a student parliament or self-governed student councils of a special field (so-called Fachschaften) and c) actively involving in student organizations.

10 … Übungsfall: A Life 4 Sale, 2 Zeitschrift für das juristische Studium 267–273 (2009)

Der Übungsfall richtet sich an Studierende fortgeschrittener Semester und spinnt eine wahre, wenn auch bizarre, Begebenheit aus der Tagespresse weiter. Die erste Frage betrifft rechtliche Probleme der Internetauktion, die Formerfordernisse des § 311b BGB sowie das Mangelgewährleistungsrecht bei Kauf einer Sachgesamtheit. Die zweite Frage thematisiert das Institut der Vertragsübernahme.

9 … Juristische Kuriositäten. Ein Spaziergang durch den Paragrafendschungel, 62 Neue Juristische Wochenschrift 727–732 (2009)

Unter Juristen wird oft diskutiert, so manches mal gar „gestritten“; sogar darüber, ob es „streitig“, „strittig“ oder „umstritten“ heißen muss, streiten Juristen bekanntlich. Doch viel zu selten nimmt man sich die Zeit, einmal entspannt durch den Paragraphendschungel zu spazieren. Nur eine Stunde im grünen Wald, um sich an hübscher Flora zu erfreuen, kuriosen Wildwuchs zu bewundern und die Atmosphäre aufzunehmen – recht modrig hier, gar duftig dort. Eine Glosse.

8 … Kurioses im Paragrafendschungel. Interview, 62 Neue Juristische Wochenschrift XIV–XVI (9/2009)

Welches ist das einzige noch gültige Gesetz in Deutschland, das nur aus "weggefallen(en)" Regelungen besteht? Welche Ausnahme von der Ausnahme der Ausnahme der Ausnahme der Ausnahme einer Ausnahme steht einer Regel im deutschen Recht gleich?
Heft 11 der NJW, das am 5. März erscheinen wird, ist wieder ein Schwerpunktheft zu Themen aus Literatur, Kunst und Recht. In seinem Beitrag "Juristische Kuriositäten - ein Spaziergang durch den Paragrafendschunget" beantwortet dort Jura-Student Hanjo Hamann diese und andere Fragen, die wir selbst bisher nicht zu stellen wagten.

7 … Die Jahresfrist in § 135 I Nr. 2 InsO. Auf dem Prüfstand des MoMiG übersehen?, 12 Zeitschrift für das gesamte Insolvenzrecht 264–270 (2009)

Das Gesetz zur Modernisierung des GmbH-Rechts und zur Bekämpfung von Missbräuchen (MoMiG) ist am 1.11.2008 in Kraft getreten. Ein zentrales Anliegen des Gesetzes ist die Verbesserung des Gläubigerschutzes – gerade auch in der Insolvenz von Kapitalgesellschaften. Umso mehr verwundert es, dass eine der heftigst umstrittenen Fragen des insolvenzrechtlichen Gläubigerschutzes dem Gesetzgeber entgangen zu sein scheint. Ihre Behandlung soll hier nachgeholt werden.

6 … Aufsteigende Darlehen im Cash Pool im System des § 135 InsO. Replik auf Klinck/Gärtner, NZI 2008, 457, 11 Neue Zeitschrift für das Recht der Insolvenz und Sanierung 667–669 (2008)

Ein provokativ betitelter Aufsatz fragte kürzlich, ob das im Juni vom Bundestag beschlossene MoMiG der Konzernfinanzierung durch cash pooling den „Todesstoß“ versetze. Die Verfasser Fabian Klinck und Matthias Gärtner bejahen das und nähren damit Befürchtungen, die in der Praxis auch andernorts geäußert wurden. Ihre Argumentation ist jedoch in einem zentralen Punkt überdenkenswert.

5 … Der Bilanzmeineid nach § 331 Nr. 3a HGB. Zur Dogmatik eines neuen Wirtschaftsstraftatbestandes, Zeitschrift für Gesellschaftsrecht, Steuerrecht, Bilanzrecht und Rechnungslegung der verbundenen Unternehmen 145–150 (2008)

Der BGH sah sich einmal in einem Urteil zu der Feststellung veranlasst, dass wirtschaftliche Interessen oft „mit mehr oder minder harten Bandagen“ durchgesetzt werden – das sei „in der Praxis üblich“, so das oberste Gericht.
Wo aber die Grenzen wirtschaftlichen Konkurrenzkampfes zulasten der Rechtsgemeinschaft überschritten und einzelne Rechtssubjekte in ihrem Vermögen beschädigt werden, da ist der Gesetzgeber gefordert, Abhilfe zu schaffen. Diese Forderung versteht der Gesetzgeber allzu gern als Ruf nach der strafenden, die Ordnung wieder herstellenden und das Vertrauen der Rechtsgemeinschaft rehabilitierenden Staatsmacht. So auch unlängst: Der „Forderung nach einer Verschärfung der Strafvorschriften im Kapitalmarktbereich als Reaktion auf [verschiedene] Finanzskandale“ folgte der Gesetzgeber prompt durch die überschießende Umsetzung einer europäischen Richtlinie im sog. Transparenzrichtlinie-Umsetzungsgesetz (TUG). Eine Norm des europäischen Regelwerks hatte vorgesehen, die Richtigkeit der Rechnungslegung durch eine persönliche Erklärung vom Verantwortlichen bestätigen zu lassen. Dies nahm der deutsche Gesetzgeber zum Anlass, in Art. 5 Nrn. 3-9 TUG eine Zusicherungspflicht vorzusehen, die bald als „Bilanzeid“ bezeichnet wurde, und deren Verletzung durch die Erweiterung von § 331 HGB mit Strafe belegt wurde.
Nachdem die Norm ein gutes Jahr in Kraft, erst kürzlich für die Praxis konkretisiert worden, und noch immer in der Diskussion ist, bietet es sich an, ihr einige dogmatische Überlegungen zu widmen.

4 … Die Behandlung des cash pooling vor und nach dem MoMiG. Alte und neue Probleme bei der Anfechtung aufsteigender Darlehen nach § 135 InsO, Hamburg: Igel RWS publishers (2008), 44 pp.

Seit 1892 gibt es in Deutschland die Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH). Im Jahr 2006 begann die größte Reform ihrer Geschichte. Nach über zweijähriger Diskussion trat 2008 das „Gesetz zur Modernisierung des GmbH-Rechts und zur Bekämpfung von Missbräuchen“ (MoMiG) in Kraft.
Eine der vielen Neuerungen, die dieses Gesetz brachte, betrifft Kredite, die ein Unternehmensteilhaber seinem Unternehmen gewährt (sog. Gesellschafterdarlehen). Das passiert besonders häufig in Fällen der Konzernfinanzierung, wo Mutter- und Tochtergesellschaften einander wechselseitig Kredite geben. Dafür haben Finanzierungsexperten ausgeklügelte Verrechnungssysteme entwickelt (sog. cash pooling), die durch das MoMiG aus dem Gleichgewicht zu geraten drohten.
Die vorliegende Studie untersucht alte und neue Probleme bei der Anfechtung aufsteigender Darlehen nach § 135 InsO und zeigt auf, dass das MoMiG anders als teilweise befürchtet kein „Todesstoß“ für das cash pooling war, weil sich auch die vom Gesetzgeber nicht bedachten Probleme praxisnah dogmatisch lösen lassen.

3 … GmbH-Anteilserwerb vom Nichtberechtigten. Die Mischung verschiedener Gutglaubenstatbestände im MoMiG-Regierungsentwurf, 10 Neue Zeitschrift für Gesellschaftsrecht 492–494 (2007)

Lange wurde sie diskutiert, nun ist die GmbH-Reform im Bundesrat angekommen. Eine der markantesten Regelungen des Gesetzes zur Modernisierung des GmbH-Rechts und zur Bekämpfung von Missbräuchen (MoMiG) betrifft ein seit Inkrafttreten des GmbHG unangetastetes Problem: Den gutgläubigen Erwerb von GmbH-Geschäftsanteilen.
Nachdem bereits ein Vorentwurf fast ein Jahr lang zur Diskussion gestanden hatte, präsentierte der MoMiG-Regierungsentwurf vom 23.5.2007 in Art. 1 Nr. 15 einen umfassenden Regelungsvorschlag. Zwar wurden viele Anregungen aus der Literatur berücksichtigt, darüber ging allerdings das größere Bild verloren. So entstand eine eigenwillige Mischung verschiedener Ansätze – es fehlt allein an einer überzeugenden dogmatischen Grundwertung.
Welche Auslegungs- und Anwendungsprobleme Art. 1 Nr. 15 MoMiG-RegE aufwirft und wie sie dogmatisch konsequent zu lösen sind, will die folgende Ausarbeitung klären.

2 … In Concert or not in concert? Eine methodische Konkretisierung von § 30 Abs. 2 Satz 1 WpÜG, 29 Zeitschrift für Wirtschaftsrecht 1088–1095 (2007)

Was für Wettbewerbsrechtler der Monopolist, ist für Aktienrechtler der Hauptaktionär. Doch gibt es noch eine andere Art der wirksamen Neutralisierung von Konkurrenten. Im Wettbewerbsrecht heißt sie Kartell. Und im Aktienrecht?
Was passiert, wenn sich Minderheitsaktionäre zusammenschließen, um „ihr“ Unternehmen zu kontrollieren? Die Fälle Pixelpark, Beiersdorf und – medienwirksam – Deutsche Börse/TCI haben eine brisante Frage aufgeworfen. Die hat der Gesetzgeber zwar gesehen und in § 30 Abs. 2 Satz 1 WpÜG geregelt, doch blieben viele Aspekte dieser Norm lange unklar.
Mit der Entscheidung des BGH in Sachen WMF kam es Ende letzten Jahres zu einer ersten höchstgerichtlichen Entscheidung, die das Interesse der Rechtswissenschaft wiederbelebte. Erneut stellt sich die Frage: Wie entsteht ein „Aktionärskartell“ iSd § 30 II 1 Hs. 1 WpÜG? Eine rechtsmethodische Analyse soll helfen, diese Frage zu beantworten.

1 … The Importance of Intercultural Competence in the Development of Successful International Businesses, Social Science Research Network (2004/8/1)

The essay discusses the importance of language learning, understanding of other peoples, and cultural awareness (together "intercultural competence") in developing successful business. It outlines theoretical problems posed by cross-cultural business ventures and then considers, in turn, three essential phases in the product life cycle (adaptation, engineering and marketing). Using various examples from recent years and two case studies (British East India Company and Infineon Technologies), it illustrates how business ventures can falter from a lack of intercultural competence or flourish in its presence. – The essay won 1st prize in the 2004 John Payne Competition of the European Business School (ebs) London.